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Hier veröffentlichen wir regelmässig neue Artikel von Fachpersonen zu medizinischen Themen, die viele an Brustkrebs erkrankte Frauen interessieren.
Prof. Dr. med. Gerd Nagel: Patientenkompetenz (Februar 2006)
Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Dr. med. Gerd Nagel: Patientenkompetenz
Begriffsbestimmung: Der Begriff Patientenkompetenz stammt aus dem Denkstil von Patienten des 21. Jahrhunderts. Er führt weit über die früheren Vorstellungen vom informierten, mündigen, autonomen Patienten hinaus. Man versteht unter Patientenkompetenz die Fähigkeit des Patienten- sich den Herausforderungen der Erkrankung zu stellen
- sich auf die eigenen Ressourcen zur Krankheitsbewältigung zu besinnen
- dabei auch persönliche Bedürfnisse zu berücksichtigen
- eigene Zielvorstellungen zu verfolgen und
- Autonomie zu wahren.
Denkstile von Krebspatienten: Patienten mit oder nach Krebs denken in mancher Hinsicht anders über die Krebserkrankung als die Medizin. Vor allem empfinden kompetente Krebspatienten ihre Krankheit als in Beziehung zu den Kräften der eigenen Abwehr stehend. Im Gegensatz dazu betrachten Mediziner die Krebserkrankung mehrheitlich als ein autonomes Geschehen. Diese Diskrepanz der Denkstile hat praktische Konsequenzen in Bezug auf- die Patientenselbsthilfe: von der Medizin bestenfalls toleriert, ist Selbsthilfe für Patienten Teil einer Lebensstrategie
unter der Bedrohung der Erkrankung - die Mittel der Komplementärmedizin: von der Medizin in der Regel abgelehnt, sind Mittel der Komplementärmedizin für Patienten essentielle Hilfsmittel im persönlichen Abwehrkampf
- die Rolle des Patienten im medizinischen Therapieplan: die krankheitszentrierte Medizin betrachtet den Patienten als Partner im juristischen, vertragsrechtlichen Sinn. Kompetente Patienten verstehen sich als Partner der Medizin im Sinne von Ko-Produzenten von Gesundheit.
Patientenkompetenz und Prognose: Patienten einerseits sowie Mediziner und Krebsforscher andererseits vertreten aber besonders in einer Frage von einander abweichende Auffassungen, nämlich: Ist Patientenkompetenz ein eigenständiger prognostischer Ko-Faktor neben der eigentlichen Krebstherapie? Wie Umfragen ergeben haben, glauben Patienten mehrheitlich daran, dass die Kräfte der eigenen Abwehr (der «innere Arzt») den Verlauf einer Krebserkrankung mit beeinflussen. Mediziner glauben dies mehrheitlich nicht. Aus der Wissenschaft gibt es hierzu keine Daten – weil es hierzu noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen gibt. Die moderne molekulargenetische Forschung beweist zwar immer deutlicher, dass jede Krebserkrankung ein individuelles Geschehen ist, das eine eigens auf diesen Patienten bezogene Therapie verlangt. Unter Individualität wird hier jedoch etwas Biologisch-Biochemisches verstanden und nicht die Einmaligkeit eines Geschöpfes als Ganzes.
Patientenkompetenz, Recht und Ethik: War der Patient im 20. Jahrhundert mehrheitlich noch Passivmitglied im Gesundheitswesen, zeichnet sich heute ein Wandel ab. Das 21. Jahrhundert entdeckt ihn als aktiven Partner. Bezüglich des Verhältnisses kompetenter Patienten zur Medizin und zum Gesundheitswesen sind viele Fragen noch nicht ausdiskutiert, zum Beispiel:- Patientenrechte: Gibt es ein Recht des Patienten auf Mitgestaltung des Therapieplans gemäss seinen eigenen Vorstellungen zum Wesen seiner Erkrankung?
- Arztpflichten: Inwiefern ist der Arzt verpflichtet, den Willen des Patienten zur Anwendung komplementärer Therapie zu respektieren, und wie sind die Pflichten des Arztes in diesem Fall definiert?
- Ausbildungsfragen: Welche Konsequenzen hat die zunehmende Patientenkompetenz in Bezug auf die Ausbildung des medizinischen Personals allgemein, der Ärzte insbesondere? Wie kann das der Medizin vorgeworfene Defizit an Sozialkompetenz, also die Fähigkeit, mit dem kompetenten Patienten überhaupt partnerschaftlich zu kommunizieren, überwunden werden?
Forschungsbedarf: Krebsmedizin und Krebsforschung beschäftigen sich auch heute noch im Wesentlichen mit Fragen von Ursachen, molekularer Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie der Krankheit Krebs im Menschen. Über 95% der Publikationen in medizinischen und wissenschaftlichen Fachzeitschriften handeln von nichts anderem. Aus der Sicht von kompetenten Patienten ist ein eklatanter Mangel an Interesse von Medizin und Forschung an Themen zu verzeichnen, für die sich die von Krebs Betroffenen selbst interessieren. Die Frage «Beeinflusst das Mass an Patientenkompetenz die Prognose» steht aus der Sicht von Patienten hier ganz oben an.
Anmerkungen zum Referenten Prof. Dr .med. Gerd Nagel ist internistischer Onkologe. Nach seiner Ausbildung zum Krebsspezialisten in Basel, Buffalo USA und Brüssel wurde er 1978 als Ordinarius für Innere Medizin und Onkologie an die Universität Göttingen berufen. Er war Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft von 1986 – 1990. 1992 übernahm er den Lehrstuhl für Tumorbiologie an der Iniversität Freiburg im Breisgau, wo er auch die Klinik für Tumorbiologie gründete und bis 2003 leitete. Im Jahr 2003 wurde er als erster Mediziner mit dem Europäischen Wissenschafts-Kulturpreis der Stiftung pro Europa ausgezeichnet und damit für seine vorbildlichen Beiträge zur Reform der Medizin zu einer "offenen Medizin" geehrt. Nach seiner Pensionierung rief er die Stiftung Patientenkompetenz ins Leben um deren Aufbau er sich heute kümmert. Ziel der Stiftung ist die Unterstützung von Projekten zur Förderung und Erforschung der Patientenkompetenz.
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