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netzhandwerk gmbh - net servicesnullundeins
Hier veröffentlichen wir regelmässig neue Artikel von Fachpersonen zu medizinischen Themen, die viele an Brustkrebs erkrankte Frauen interessieren.



Dr. med. Beatrix Scholl, Chirurgin:
"Vivir como antes" - Leben wie zuvor
Bericht aus Kuba von Dr. med. Beatrix Scholl, Chirurgin (Februar 2005)


Wo könnte dieser Titel besser hinpassen als nach Cuba, nach Havanna, in dieses Land, das heute durch seine Politik und Geschichte wie ein lebendiges Museum aus den fünfziger Jahren erscheint. Im weissen Arztkittel gehe ich zur Arbeit. Schon frühmorgens sind die Strassen voller geschäftiger Menschen. Ein altes Taxi schaukelt gemütlich durch die Strassen - Chevrolet 1952 - ein Sammlerstück in Europa und hier ein liebevoll gepflegtes öffentliches Verkehrsmittel. An der Strassenecke gleich vor dem Spital Fajardo, in einer einfachen Strassencafeteria, werde ich herzlich begrüsst "Buenas dias doctora, como estan?" und ich trinke noch einen herrlichen Kaffee. Es ist erst halb acht und doch wärmt die Sonne schon stark auf - Mitte Mai - es wird heiss, und ich denke etwas mit Schrecken an den Operationssaal im Hospital Fajardo, wo seit Wochen die Klimaanlage nicht mehr funktioniert. Im wahrsten Sinne des Wortes werden wir Chirurgen heute wieder zu schwitzen haben!


Das Spital Comandante Manuel Fajardo und kubanische Pflegerinnen aus dem Operationssaal

Mein fast einjähriger Aufenthalt als Gastärztin in Cuba war für mich in vielem ein "Leben wie zuvor". Ich hatte meine Ausbildung als Allgemeinchirurgin in der Schweiz beendet und wollte meine chirurgischen Erfahrungen nun in der weiten Welt vertiefen. Unser Chirurgenteam im Spital Fajardo (Universidad médica de la Habana, Facultad de Medicina, Comandante Manuel Fajardo) besteht aus zwanzig Chirurgen - ein grosses Team in einem kleinen Spital mit ungefähr 60 chirurgischen Betten. Das Spitalleben ist sowohl für Ärzte und Pflegepersonal, als auch für die Patienten und ihre Angehörigen eine grosse Herausforderung. Behandelt und operiert wird mit einfachen Mitteln. Medikamente sind oft schwierig zu erhalten und ohne die Unterstützung der Familie wäre es für die Patienten schwierig, überhaupt gesund zu werden. Die Ruhe und Bescheidenheit der kubanischen Patienten, die sich voller Vertrauen auf ihre Ärzte und Ärztinnen verlassen, hat mich sehr beeindruckt - alle wissen sie, dass der Arzt der Helfer ist, und nicht ohne Grund sagen die Kubaner "medico no es solamente una profesion pero un sacrificio" (Arzt sein ist nicht nur ein Beruf, sondern auch eine Hingabe/Opfer).
Ich leitete zusammen mit Professor Alexis Cantero Ronquillo, meinem höchstpersönlichen Professor in Chirurgie, dem ich anvertraut wurde, die Sprechstunde für Brusterkrankungen. Unsere "Consulta de mama" fand an zwei Tagen pro Woche statt. Dreissig bis fünfzig Patientinnen stürmten jeweils unser kleines Sprechzimmer, wo der alte Ventilator nur mit Mühe etwas frische Luft machen konnte. Die Erkrankungen der Brust auf diesem Inselstaat unterscheiden sich nur wenig von den Brusterkrankungen in Europa. Mehr junge Frauen als in Europa haben kleine gutartige Knötchen oder Zysten. Die schweren Brusterkrankungen - der Brustkrebs - sind statistisch fast gleich hoch wie bei uns. Jede Woche hatten wir neue Patientinnen mit malignen Tumoren. Da es noch sehr wenig Früherkennungsmöglichkeiten und Programme gibt, kommen leider die Patientinnen sehr oft schon in einem lokal fortgeschrittenen Stadium, sodass eine schonende Chirurgie leider nicht mehr möglich ist. Jede Patientin erhält trotzdem eine optimale Therapie. Wir operierten an drei Tagen pro Woche und so konnte jede Patientin mit neu diagnostiziertem Tumor rasch operativ behandelt werden. Die weiteren Therapieschritte bestehen aus ambulanter Chemotherapie und bei Bedarf natürlich aus Bestrahlung. Die Chemotherapie wird - das liess mein Herz höher schlagen - nach den Consensus Richtlinien aus St. Gallen durchgeführt.
Auch eine Hormontherapie mit Tamoxifen wird den Patientinnen angeboten. Neuere Medikamente wie Arimidex oder Femara sind für diese Patientinnen unerschwinglich. Die Durchführung einer Bestrahlungstherapie wird im Spital Oncologico (Instituto Nacional de Oncología) durchgeführt und die Patientinnen kommen einige Wochen danach wieder zu uns zur Nachkontrolle.


Onkologiekrankenpflegerin und eine meiner Patientinnen im Spital Fajardo

Ja, den Frauen mit Brustkrebs wird geholfen und sie haben viel gute Betreuung. Was fehlt denn noch? - Eines Tages kam Professor Cantero ganz übermütig: Kollega, ich werde hier in Havanna etwas ganz Neues gründen! Eine Unterstützungsgruppe, eine Selbsthilfegruppe für Patientinnen und ihre Angehörigen! Kollega, in deinem Land, der Schweiz, gibt es das doch sicher schon lange!" Ich musste lachen. Ja, wir haben gute und wichtige Hilfeorganisationen, wir haben "Leben wie zuvor", "Europa Donna" und andere mehr. So entstand unter der Leitung von diesem tollen Professor die erste Patientinnenselbsthilfegruppe in Cuba. Am 17. Mai 2003 fand die Eröffnungsfeier mit öffentlichen Vorträgen statt, und danach, was in dieser musikalischen Stadt natürlich nicht fehlen darf, gab es Kuchen und Salsa-Tanz.
Mein Vortrag über Brusterkrankungen in Europa und die aktuellen Behandlungen, sowie eine Vorstellung über Patientinnenselbsthilfegruppen wie "Leben wie zuvor" fand regen Anklang. Die Patientinnen kamen fast alle in Begleitung, Ehemänner und/oder Kinder, Nachbarin oder langjährige Freundin - ein zusammengewürfeltes Publikum, das sich in der Diskussionsrunde nicht scheute, auch über heikle Themen, wie zum Beispiel Sexualität nach Brustentfernung zu sprechen. Nach den Vorträgen und Diskussionen war ich froh, etwas das Tanzbein zu schwingen und so den Gefühlen von Hoffnung und Freude Ausdruck zu geben.


Dr. B. Scholl und Dr. C. Padron Chappottin, Chirurgenkollege aus einer grossen Musikerfamilie

Leben wie zuvor - für mich die Zeit in Kuba als Chirurgin - und nun für viele Frauen dort eine neue Hilfe die Erkrankung ganzheitlicher anzugehen. Ich habe in der Havanna-Zeit viel lernen und auch lehren können.
Nun arbeite ich als Chirurgin und Senologin im Brust-Zentrum in Zürich unter der Leitung von PD. Dr. med. Ch. Rageth. Sicher werde ich wieder einmal nach Kuba gehen, um zum Beispiel die bei uns oft durchgeführte Sentineloperation (Wächterlymphknoten) und Brusterhaltende Chirurgie auch im Spital Fajardo oder anderswo vorzustellen. Patientinnen bei uns wissen, was dadurch an Lebensqualität gewonnen werden kann.
In unserer Zeit - dem 21ten Jahrhundert - wo bei uns mit modernen spezialisierten Mitteln den Leidenden geholfen werden kann, ist es sicher wichtig, die Zusammenarbeit mit "ärmeren" Ländern zu fördern, und so auch dort den Betroffenen sowohl medizinische als auch psychologische Unterstützung zu geben. Ich habe das in einem ganz kleinen persönlichen Projekt und Rahmen gemacht - und es gibt zum Glück Organisationen, die das auf breiterer Ebene machen! Da möchte ich für das Land Cuba ganz speziell die MediCuba-Suisse www.medicuba.ch (Gründer sind die Ärzte Dr. med. Christian Jordi, Zürich und Prof. Dr. med. Franco Cavalli, Locarno) erwähnen, die für meine kubanischen MedizinerkollegInnen eine äusserst wichtige Unterstützung bilden.
Ich hoffe, dass den Patientinnen und ihren Angehörigen hier bei uns in der Schweiz, den Gründerinnen und Mitgliedern von Leben wie zuvor helvetica, den Lesern und Leserinnen das Wissen um eine Brustkrebs-Patientinnenhilfegruppe in Havanna ganz im Sinne von "Leben wie zuvor" vivir como antes, auch etwas Freude und Hoffnung schenken wird.

Korrespondenz
Dr. med. Beatrix Scholl FMH
Chirurgie Brust-Zentrum
Seefeldstrasse 214
8008 Zürich
[email protected]



PD Dr. Nicole Bürki:
Familiärer Brust- und Eierstockkrebs (Juli 2010)


PD Dr.med. Christoph Rageth:
Brustzentren – warum? (Juli 2010)


PD Dr.med. Christoph Rageth:
Brustzentren und Aerztenetzwerke - 2. Teil (Juli 2010)


lic. phil. I Verena Riedo:
Therapiebedarf in der Onkologie - Eine Studie der Lukas Klinik Arlesheim (Juli 2010)


Prof. Dr.med. Beat Thürlimann:
BRUSTKREBSTHERAPIE: EIN NEUES ZEITALTER HAT BEGONNEN (Juni 2008)


Denise Le Marié:
Narbenbehandlung (Juni 2008)


Germaine Neukom:
Unsere Sinne im Alter (neues Kapitel!) (Juni 2008; Bulletin Leben wie zuvor Nr. 69 - Nr. 72)


Agnes Schweizer:
Aktivierung der Selbstheilungskräfte (März 2008)


Judith Alder:
Diagnose Brustkrebs: was habe ich falsch gemacht? (März 2008)


Christoph Rageth, Brust-Zentrum:
Die Lymphknoten und der Brustkrebs (aktualisiert) (Januar 2008)


Dr. med. Razvan A. Popescu:
Fatigue-Syndrom (November 2007)


Germaine Neukom:
Homöopathie – wirkt sie oder wirkt sie nicht? (November 2007)


Gerd Nagel:
Patientenkompetenz - Oder: über die Entdeckung des Patienten im 21. Jahrhundert (November 2007)


Liselotte Dietrich:
„Plötzlich ist alles ganz anders …“, „Mir geht es auch nicht gut...“ „Für mich ist auch so Vieles anders...“ (November 2007)


Martina Frei:
Wenn der Krebsspezialist selbst Krebs hat (Juni 2007; Tages-Anzeiger)


Onkologie Special (Brustkrebs) (April 2007; Medical Tribune)

Prof. Dr. Beat Thürlimann:
Aromatasehemmer in der modernen Brustkrebstherapie (November 2006)


Dr. med. Roger von Moos:
Behandlung von Knochenschmerzen bei Knochenmetastasen (November 2006)


Prof. Alexander Kiss:
Gibt es Zusammenhänge zwischen Krebs und Psyche? (Oktober 2006)


Prof. Dr. Ch. Rochlitz:
Was ist HER2? (Juni 2006)


Besuch im Brust-Zentrum (Juni 2006)

PD Dr. Ch. Rageth:
Die ideale Patientin (Vortrag) (Juni 2006)


Frau Univ. Dozent Dr. Cerni:
Die Krebserkrankung aus der Sicht der Medizin und Forschung (Bulletins 1990-1993) (Juni 2006)


Prof. Dr. med. Gerd Nagel:
Patientenkompetenz (Februar 2006)


Christoph Rageth, Brust-Zentrum, Zürich:
Rückblick Senologie Update 2005 (Mai 2005)


Dr. med. Beatrix Scholl, Chirurgin:
"Vivir como antes" - Leben wie zuvor
Bericht aus Kuba von Dr. med. Beatrix Scholl, Chirurgin (Februar 2005)


Eckard Klose, Roche:
Lieber Besuch bei Roche - Workshop mit Gruppenleiterinnen von LEBEN WIE ZUVOR (Februar 2005)


Ingrid Menz, Vorstandsmitglied:
Bericht von der Jahrestagung der Österreichischen und der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie vom 23.-25.9.2005 in Basel (Dezember 2004)


Ingrid Menz, Vorstandsmitglied:
„Leben mit Brustkrebs – Spätkomplikationen“ (Dezember 2004; Kurzbericht vom Lunchsymposium am 3.9.2004)


Risiko-Einschätzung und Vorsorge-Beratung für Angehörige von Krebskranken am Zentrum für Tumordiagnostik und Prävention in St. Gallen (Juni 2004)

Christoph Rageth, Brust-Zentrum:
Überlegungen zur Qualitätsoptimierung in der Betreuung von Brustpatientinnen? (Juni 2004)


Reinhold Hönle:
Interview mit Anastacia: «Meine Weiblichkeit ist nicht zerstört» (März 2004; Berner Zeitung)


Eliane Sarasin Ricklin, Brust-Zentrum, Zürich:
Alternative Behandlungsmöglichkeiten der hormonellen Ausfallserscheinungen (Dezember 2002)


Univ. Prof. Dr. med. Christa Cerni, Institut für Krebsforschung der Universität Wien:
KÖNNEN SIE SICH NOCH ERINNERN? (September 2002; Bulletin 49)


Univ. Prof. Dr. med. Christa Cerni, Institut für Krebsforschung der Universität Wien:
Über Tulpen, den Frühling und welke Blätter (Juni 2002)


PD Dr. med. Christoph Rageth, Brustzentrum Zürich:
Neue Meldungen aus der Forschung (Dezember 2001; Bulletin 46)


Univ. Prof. Dr. med. Christa Cerni, Institut für Krebsforschung der Universität Wien:
Angst bei Krebs (Juni 2001; Bulletin 44)


Dr. med. Felix Jungi, Kantonsarzt St. Gallen und Onkologe und PD Dr. med. B. Thürlimann, St. Gallen:
Osteoporose (Juni 2001; Bulletin 44)


Prof. Dr. med. Richard Herrmann, Leiter der Abteilung Onkologie am Kantonsspital Basel:
Die Nadelgespenster (März 2001; Bulletin 43)


Univ. Prof. Dr. med. Christa Cerni, Institut für Krebsforschung der Universität Wien:
Müde? (Dezember 2000; Bulletin 42)
Wieder neue Lebenskraft schöpfen nach einer schweren Erkrankung kann viel Zeit beanspruchen. LEBEN WIE ZUVOR möchte Sie bei diesem Prozess mit Rat und Tat begleiten.
:)