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Vrüelinc!
„Was ist für Sie Luxus“? fragte der Moderator in der Talkshow den jungen Multimillionär. „ZEIT. Das ist Luxus für mich“, antwortete dieser. Der Fernsehmann wirkte etwas verblüfft. Vielleicht hatte er eine Hacienda, eine Hochseejacht oder Partys mit schönen Frauen erwartet... Mal ehrlich: Wie halten wir es mit der Zeit? Gönnen wir uns zum Beispiel den Luxus, diesen Frühling jetzt zu erleben, zu riechen und zu hören? Die jungen Triebe, die knospenden Blüten, Vogelgezwitscher, Bienengesumme & Co.? Manchmal haben wir die Zeit wirklich nicht. Dann verschieben wir’s auf den nächsten Frühling, er kommt ja wieder.
„Seit ich meine Zeit so beschränkt weiss“, sagte meine schwerkranke Freundin, „lebe ich die Tage viel intensiver. Ich habe nämlich das Blümchensyndrom: Ich freue mich jetzt über jedes kleinste Blümchen, das ich noch wachsen sehen darf, über jedes liebe Wort, das ich höre“.
Wie oft beneide ich meine Kinder: Noch haben sie Zeit; auf dem Schulweg retten sie Regenwürmer, beobachten die Spinne im Netz und sehen Dinge, die wir nicht mehr wahrnehmen, weil wir zu gross und zu schnell sind. Vielleicht könnten wir uns ja mal ein bisschen bücken oder zumindest ein klein wenig bremsen. Er ist nämlich da, der Frühling, der übrigens im 15. Jahrhundert noch „vrüelinc“ hiess.
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