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Die Selbsthilfegruppe
Ein Gespräch - ein Geschenk


Ein Gespräch zwischen Menschen, wenn es echt und tief ist und aus dem Herzen kommt, ist ein Geschenk.

Was kann das für eine Wohltat sein! Frei sagen dürfen, was ich sonst nicht leicht über die Lippen bringe, was mein Herz beschwert oder mir auf dem Magen liegt. Ausreden dürfen und nicht unterbrochen werden! Eine Wohltat.
Eine Wohltat, einander zu aktiven Zuhörerinnen zu werden. Eine sieht das Gesicht der anderen. Beachtet wie die andere da sitzt, ihre Körperhaltung. Spürt ihre Stimmung. Liest von den Augen die Gefühle ab, Hoffnung, Angst, Sorgen.

Das „Unreife“ hat Platz im Gespräch. Unfertiges darf sein. Wir haben ein Ohr auch für das, was uns unbekannt ist. - Ich darf mich irren. Ich muss nicht etwas Schönes und „Fertiges“ sagen. Auch was ich als nicht gut erlebe darf ich aussprechen. Wir dürfen uns zeigen, wie wir sind – auch mit unseren negativen Seiten, Wut, Ärger, Neid, Eifersucht.

Wir veröffentlichen nicht, was wir im Gespräch einander sagen. Es muss nicht druckreif sein. Ich darf frei von der Leber weg reden. Auch wenn ich später was ich gesagt habe, so nicht mehr sagen würde. Wir sagen wie es uns im Moment geht. Später sehen wir manches wieder anders.

Ein Gespräch darf sich entwickeln wie eine Pflanze, die hoch klettert, mit ihren Ranken sich vorwärts tastet. Jeweils erst, wenn sie wieder einen Punkt gefunden hat, an dem sie sich festmachen kann, wächst sie weiter. Dann gibt es wieder ein Blatt. So wächst ein Gespräch. Gute Gespräche machen offen und wach für den anderen Menschen.

In einem wirklichen Gespräch geht es um zweierlei, und beides ist wichtig. Das erste ist die Erfahrung, das Sich-bewusst-werden: da ist mir gegenüber ein Mensch, genau wie ich. Mein Gegenüber kennt Freude, Leid, Liebe, Krankheit, Angst und Verzweiflung wie ich! Das ist das eine, und das ist wichtig – und in einer Selbsthilfegruppe ist das besonders stark. „Ich bin nicht allein mit mir, andere sind da, vor denen und mit denen ich mich selbst sein darf.“

Dazu kommt eine zweite Erfahrung: Das Mitfühlen und Sich-Einfühlen-Können in einen anderen Menschen hat auch seine notwendige Grenze. Der andere Mensch, der ist „wie ich“, ist auch anders als ich! Immer muss ich mir selber wieder sagen: „Du bist du, und der andere ist ein anderer.“
Das ist eine wichtige Grenze. Meine Probleme sind eben meine und nicht die des andern. Der andere hat seine unverwechselbare Geschichte, die zu ihm gehört. Es muss nicht das Gleiche gelten für ihn und für mich. Was mir hilft muss ihm nicht helfen. Was für mich richtig ist, muss für ihn nicht auch richtig sein. Der Respekt vor der Einmaligkeit des Andern bewahrt davor, es besser wissen zu wollen, zu belehren.

Darum ist es gut, wenn wir auch Grenzen beachten zwischen uns. Die Türe des anderen Menschen hat nur innen eine Klinke, damit er – wenn er will – sie öffnet. Ich soll sie nicht von mir her aufstossen und „ine-trampe“. Es gilt auch Abstand zu bewahren. Immer wieder das richtige Verhältnis zu finden zwischen Nähe und Distanz. Es ist eine Kunst, nicht mehr und nicht weniger zu tun, als der andere braucht.

Es ist gut, jemandem auf die Beine zu helfen. Aber manchmal denken wir, wir würden dem anderen jetzt auf die Beine helfen wollen, aber wir treten ihm auf die Füsse. Wir treten ihm zu nahe und drängen uns auf. Wir mischen uns ein. So können wir manchmal – gut gemeint – einander helfen wollen und sind dann in Tat und Wahrheit gar nicht hilfreich.
Es gibt Situationen wo wir nicht helfen können, wo unsere Grenzen sind.

Nähe muss sich nicht immer in Worten zeigen. Es gibt auch eine Kraft des Schweigens, die das Unausgesprochene auszuhalten lernt. Menschen die sich sehr nahe sind, müssen nicht immer miteinander reden.
Sie können auch miteinander schweigen. So wächst manchmal ein Zusammensein das mehr „sagt“ als viele Worte.

Das Zusammensein und unsere Gespräche
machen uns offen,
wach für den anderen,
ehrlich mit uns selbst und
sorgsam füreinander.

empfunden von Dora



Persönliche Erfahrungsberichte aus unseren Gesprächsgruppen:

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... aus einem Gruppen-Nachmittag


"Miteinander - füreinander - Sonne sein - Tag für Tag."
Selbstgemalte Fahne der Selbsthilfegruppe Uri.
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