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Hier berichten an Brustkrebs erkrankte Frauen von ihren Erfahrungen: leidvollen, aber auch hoffnungsvollen.
Die Erfahrungsberichte zeigen, dass wir alle unsere ureigene Art und Weise haben, mit unserer Krankheit umzugehen. Keine ist besser oder schlechter.
Wir hoffen, dass auch Ihnen die folgenden Berichte Mut machen und Sie auf Ihrem eigenen Weg bestärken.
Falls Sie einen Erfahrungsbericht beifügen möchten, schicken Sie Ihren Beitrag bitte per E-Mail an [email protected].
Die Erfahrungsberichte werden auf Wunsch auch anonym veröffentlicht.
Vielen Dank!
20 Jahre!! Jsabella
Am 13. Januar 2004 habe ich zum 2. Mal Geburtstag gefeiert. Ich wurde am Freitag, den 13.1.84 zum ersten Mal brustoperiert und zwar beidseitig. Gerade mal 32 Jahre jung war ich, mit drei kleinen Kindern (5, 6 + 8 J.). Dies war ein harter Schlag und ich voller Panik. Da meine Mutter bereits Brustkrebs hatte, wusste ich, was auf mich zukam. Meine Mutter machte sich die ganze Zeit Vorwürfe, dass sie geheiratet hätte und Kinder bekommen habe. Ich sah das nicht so. Ich sah keine Veranlassung, ihr Vorwürfe zu machen, denn ich bin der Ansicht, dass niemand was dafür konnte.
Ich merkte gleich, dass ich trotz dieser Diagnose gleich zu kämpfen anfing. Da ich 3.Klasse versichert bin, hätte ich eigentlich keinen Anspruch gehabt, den operierenden Arzt auszuwählen. Doch ich tat das natürlich! Ich wollte unbedingt von Dr. St., welcher Oberarzt war, operiert werden, da ich grosses Vertrauen zu ihm hatte. Ich sagte ihm gleich, dass ich nur von ihm operiert werden wolle, sonst liesse ich es sein. Da der OP-Plan bereits gemacht war, setzte ich ihn unter Druck und er schaffte es, dass er mich operierte! Die linke Brust wurde ganz amputiert und die rechte Brust wurde „ausgehöhlt“ und gleich mit einem Silikonimplantat aufgefüllt.
Ich hatte riesiges Glück, denn eine Nachbehandlung war nicht nötig, da, wie mir der Arzt versicherte, alles rausgeschnitten wurde und ich auch nichts in den Lymphdrüsen hatte. Die Prognosen waren gut! Welch eine Erleichterung! Meine Stimmung war trotzdem auf dem Nullpunkt, denn ich wusste nicht, wie ich dies alles verkraften sollte. Mein Mann, die Kinder, Eltern und Geschwister bauten mich immer wieder auf, obwohl sie auch sehr grosse Ängste hatten. Susi kam mich dann im Spital besuchen und erzählte mir von ihrer OP und von der Selbsthilfegruppe. Auch Dr. St. sprach mit mir und meinte, dass er seine Arbeit gemacht hätte und nun ich an der Reihe wäre.
Wieder Zuhause, haben wir offen mit unseren Kindern darüber gesprochen, denn wir waren der Meinung, dass Offenheit das wichtigste war. Die Kindern hatten miterlebt wir ihre kleine Cousine mit 4 1/2 Jahren an Leukämie gestorben ist. Sie wussten also, dass diese Krankheit auch tödlich enden konnte. Wir sprachen auch mit ihnen diese Möglichkeit durch und fragten sie, wie sie das sähen. Der Sechsjährige sagte, dass Papi halt wieder heiraten müsste, denn wer sonst sollte denn kochen und die Wäsche waschen? Ich war zuerst erschrocken über diese Aussage (wurde ich wirklich nur darauf reduziert?) und sah dann das Ganze auch mit seinen Augen. Ihm ging es dabei wirklich ums nackte Überleben. Später war gerade er es, der mich am meisten getröstet hatte und den Arm um mich gelegt hat, wenn ich wieder nur weinte. Er war und ist sehr feinfühlig, was ich sehr schön finde. Wir haben uns vor der OP nackt gezeigt (im Badzimmer) und auch nach der OP. Die Kinder strichen mir den Rücken nach dem Duschen ein und schauten überhaupt nicht komisch. Auch mit der Prothese gingen sie ganz locker um. Dafür bin ich schon sehr froh.
Ich konnte anfangs nicht mal einen Tisch abwischen, da ja einige Muskeln weg waren und war schon sehr deprimiert. Ich hatte aber wieder riesiges Glück, denn ich bekam eine Haushaltshilfe für 6 Wochen und dies war eine sehr tolle junge Frau. Sie machte mehr, als sie musste. Sie kam sogar an ihrem freien Tag, um mit den Kindern in den Park zu gehen, da dies noch zu anstrengend für mich war. Auch putzte sie mir die Fenster, obwohl dies nicht zu ihrem Aufgabenbereich gehörte.
Da ich merkte, dass ich mit meiner Angst auch meine Familie belastete ging ich zu einer Psychiaterin. Auch dort hatte ich Glück. Sie war eine tolle Frau und ich konnte gut mit ihr über meine Ängste sprechen. Bei meiner Hausärztin war ich auch gut aufgehoben. Immer, und das war am Anfang sehr oft, wenn mich Schmerzen plagten, machte sie Blutuntersuchungen, damit ich mich beruhigen konnte. Mit der Zeit wurden diese Abstände aber immer länger. Ich lernte damit umzugehen.
Nach einem halben Jahr bekam ich plötzlich ein Lymphödem am linken Arm. Dies war schon sehr belastend. Ich bekam darauf Lymphdrainage noch und noch. Auch Kompressionsstrumpf und Bandagen. Mein ganzer Tagesablauf war nur noch auf diesen Arm konzentriert. Man „durfte“ sich ja auch nicht verletzen und dies ist ja nicht immer möglich. Wie schnell hat man sich doch geschnitten etc. Da ich diesen Arm nicht zu sehr belasten sollte, stellte meine Hausärztin einen Antrag bei der IV um einen Beitrag für eine Putzhilfe. Ich hatte wieder Glück und bekam einen Beitrag für eine Putzhilfe. Eigentlich hatte ich dabei ein schlechtes Gewissen, denn in der Gruppe hatte es auch Frauen mit einem Lymphödem und die bekamen nichts. Wie ungerecht! Denn auch diese Frauen hatten dieselben Probleme wie ich.
Nach knapp 7 Jahren bekam ich ein Lokalrezidiv, welches mich, wie Ihr Euch denken könnt, wieder in Angst und Panik versetzte. Es wurde rausoperiert und anschliessend bekam ich 25 Bestrahlungen. Diese vertrug ich gut, ausser dass sie mich sehr müde gemacht hatten. Ich hatte auch nie Angst bei den Bestrahlungen, denn ich „schickte“ die Strahlen gedanklich an den „richtigen“ Ort und hoffte dabei sehr, dass sie ihre Arbeit gut machten. Denkste! Nach nur einem halben Jahr danach kam wieder ein Rezidiv! Also musste nun wieder durchgegriffen werden. Mit der Angst im Nacken ging’s wieder in den OP-Raum. Dieses Mal kamen einige Spezial-Ärzte dazu, da es eine grössere OP gab. Man nahm noch mehr heraus und um die Lunge zu schützen, gab es einen Bauchlappen der nun oben sitzt. Nicht schön, eher hässlich das Ding. Es ist ja keine Rekonstruktion. Es wurde mit mir diskutiert wurde, ob ich an einer Studie für jüngere Frauen mitmachen wollte. Ich sollte Tamoxifen einnehmen, was ich aber abgelehnt hatte. Die Ärztin machte mich auf die Vor- und Nachteil aufmerksam. Sie hatte mich eigentlich schnell „durchschaut“ und riet mir ebenfalls ab. Ich hätte nämlich dieselben Symptome bekommen, wie in den Wechseljahren, auch mit den Wallungen und sie befürchtete, dass ich dann die tabletten absetzen würde! Wie recht sie gehabt hat! Das hätte ich vermutlich glatt gemacht, denn als Alternative schlugen sie mir vor, in derselben OP die Eierstöcke zu entfernen. Bereits als ich aufwachte hatte ich meine erste Wallung!!! Und das etwa 10-15 Jahre zu früh! Doch, da „mein“ Brustkrebs hormonell bedingt war, war das sicher die richtige Entscheidung. Einen Vorteil hatte das: Keine Mens mehr! Die Ferienplanung war dadurch einfacher geworden! Man muss nicht nur das Negative sehen! Frau Dr. D. kam jeden Tag 2mal an mein Bett um mit mir zu reden, was ich ganz toll fand von ihr. Zur Erholung ging ich, wie beim 1.Mal, in die Lukas-Klinik in Arlesheim. Dort haben sie mir auch immer mit mir über meine Ängsten gesprochen. Diese Zeit tat mir gut.
Nun sind also 20 Jahre ins Land gegangen und ich bin immer noch hier! Welch eine Dankbarkeit erfüllt mich. Es gab wohl noch einige „Sicherheits-OP’s“ (die letzte Ende Oktober 03). Ich bin zuversichtlich und möchte mit meinem Bericht Euch, liebe Frauen, Mut machen. Es ist nicht immer ein „Todesurteil“. Wir haben eine gute Chance. Vor allem wenn wir im Alltag Unterstützung erfahren dürfen sei es mit der Familie, von Ärzten und in den Selbsthilfegruppen. Gemeinsam sind wir stark!
Ich wünsche Euch allen, vor allem, denen es im Moment nicht so gut geht, viel Kraft und Zuversicht und lasst Euch nicht unterkriegen!
Jsabella
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