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Hier berichten an Brustkrebs erkrankte Frauen von ihren Erfahrungen: leidvollen, aber auch hoffnungsvollen.
Die Erfahrungsberichte zeigen, dass wir alle unsere ureigene Art und Weise haben, mit unserer Krankheit umzugehen. Keine ist besser oder schlechter.
Wir hoffen, dass auch Ihnen die folgenden Berichte Mut machen und Sie auf Ihrem eigenen Weg bestärken.
Falls Sie einen Erfahrungsbericht beifügen möchten, schicken Sie Ihren Beitrag bitte per E-Mail an gaillard@leben-wie-zuvor.ch.
Die Erfahrungsberichte werden auf Wunsch auch anonym veröffentlicht.
Vielen Dank!
Am Anfang steht die Entscheidung.... Anna Lena
18. 09. 2002, 10.00 morgens – ich stehe auf ca. 1050 m Höhe vor dem Eingang der Samaria Schlucht in Kreta. Um mich ein riesiger Wirbel. Ein Reisebus nach dem anderen kommt an und spuckt im wahrsten Sinne des Wortes „Touristen“ aus. Alle haben ein Ziel – die Durchwanderung der größten Schlucht Europas. Auch ich habe dieses Ziel. Gut trainiert im Ausblenden von dem was mir nicht gefällt, höre und sehe ich den Touristenschwarm bald nicht mehr. Ich studiere die Karte und konzentriere mich auf das was in den nächsten Stunden auf mich zukommt. Während ich die Karte studiere, wird mir klar, wenn ich einsteige in diese Schlucht, sie ist 18 km lang, dann muss ich durch, es gib kein zurück. Am Ende der Schlucht wartet ein Schiff, welches mich an der Südküste von Kreta zu meinen Reisebus führt, der mich dann erst an meinen Urlaubsort zurück bringen wird. Bei dem Gedanken: „da musst du durch..“ kam ein anderes Bild vor mein geistiges Auge... *** 22.02. 2001 – ich versuche meiner Therapeutin darzulegen, wie ich meine Situation im Moment erlebe. Ich fühle mich vom „Leben“ hinausgeworfen, ausgeschlossen vom Fluss des „mit-machens und mit-bestimmen“. Ich habe Krebs und ich muss eine Chemo- und Bestrahlungstherapie haben. Adjuvant zwar, aber man weiß ja nie. Ich fühle mich völlig unfähig, meine Gefühle in Worte zu fassen.
Ich wähle ein Bild aus, welches ausdrückt, was ich empfinde. Das Bild ist ein schwarz, weiß Foto. Es zeigt einen See, der Horizont ist nicht klar erkennbar. Es scheint fast so, als ob See und Horizont ineinander übergehen. Eine Brücke ragt ins Wasser, eine Frau steht darauf und es ist klar, sie muss in das Wasser einsteigen. Ein Boot , ohne Ruder ist abseits von der Brücke im Wasser zu sehen. Es führt kein Weg zurück. Die Frau muss ins Wasser, sie muss da durch... ICH muss da durch... *** 18.09.2002, 12.00 – ich habe das erste Drittel des Weges geschafft. Der Weg führte anfangs steil bergab. Er ist stufenförmig angelegt, gut zu bewältigen, aber man muss den Blick auf den Boden richten, die Steine sind schlüpfrig. Ich nehme mir genügend Zeit. Immer wieder bleibe ich stehen und lass meine Blick zu den Berggipfeln der Léfka Ori schweifen. Ich atme die frische klare Luft tief ein. Der Duft von den Zypressen, Platanen, Stecheichen und anderen Gehölz erfreut meine Sinne. Und immer wieder gibt es eine Quelle mit herrlichem frischen, kalten Wasser. Ich weiß, ich habe noch mindestens 4 Stunden Wanderung vor mir. Es beeindruckt mich wenig. Ich bin ganz selig und glücklich dort zu sein und zu gehen, ganz in meinem Tempo... *** 28.03.01 – Ich erfuhr heute, dass mein Tumor den Wachstumsfaktor Her2 aufweist. Hoch positiv. Im Klartext – schlechte Prognose. Herceptin hilft vielleicht, aber ich bekomme es erst, wenn ich metastasiere. Wie tröstlich. Ich versinke in ein tiefes, schwarzes Loch. Ich will in dieses Loch versinken, nicht mehr auftauchen, sterben. Ja, warum nicht schon heute sterben? Wozu das ganze Theater mit den Therapien? Wozu die Schmerzen und gleichzeitig immer wieder dieses Aufflackern von Hoffnung? Nützt doch alles nichts. Meine Zeit ist abgelaufen. Ich bin voller Wut, Zorn. Auf mich, auf die Anderen, auf meinen Körper. Er hat mich in Stich gelassen. Ich habe nicht geraucht, nicht getrunken. Gesund gegessen, im Grunde genommen, sehr mäßig gelebt. Und dennoch war das nicht genug für meinen Körper. Er produzierte Krebszellen und seine natürlichen Gegner merkten es nicht oder waren zu schwach.
In mir kämpfen zwei Mächte. Die eine Macht will nicht mehr – sagt, gib auf, ergib dich und stirb – die andere bäumt sich auf und schreit laut: „nein, noch nicht.“ Plötzlich erinnere ich mich an die ersten Sekunden nachdem ich den Knoten entdeckt hatte. Für Sekunden war mir klar und deutlich bewusst: das ist Krebs. Aber nur für Sekunden. Dann begann das Verdrängen und das Beschwichtigen. Als der Arzt nach der Mammographie zu mir kam, wusste ich wieder für Sekunden, es ist schlimm, bevor er ein Wort gesagt hat. Und dann begann wieder das Verdrängen, das Beschwichtigen. Als nach der Operation die erste Visite stattfand, sagte ich klar und deutlich, wann beginnen wir mit der Chemotherapie, ich habe keine Zeit zu verlieren. Diesmal war es der Arzt, der beschwichtigte und vom genaueren Befund abwarten, sprach.
In der Tiefe meines schwarzen Loches, in dem ich mich befand, wurde mir bewusst, dass mein Gefühl mich nicht im Stich gelassen hat. Mein Gefühl hat mir von Anfang an die Wahrheit gesagt. Mir wird schlagartig bewusst, ich darf meinem Gefühl vertrauen. Und was sagt mir mein Gefühl hier und jetzt zu meiner Situation? Und ich spürte ein heftiges Aufbäumen tief in mir, ein Gefühl der Ungläubigkeit gegenüber der sogenannten schlechten Prognose. Solange ich atme, solange lebe ich. Und ich stand buchstäblich auf und ich bekannte mich zum erstenmal seit meiner Diagnose zum Leben. Es war, als wäre mein Wille zum Leben wieder erwacht. Ich glaube, dies war meine erste Auferstehung... 18.09.02 14.00 – ich bin nun seit vier Stunden in der Samaria Schlucht. Obwohl ich durch eine Schlucht gehe, hat sich das landschaftliche Bild dauernd verändert. Immer wieder Quellen und klare Bächlein, die leider nicht zum Baden genutzt werden dürfen. War ich doch am Anfang in einer Höhe von 1050 m und in einer kaum übersehbaren Weite, wurde, je tiefer ich kam, die Schlucht enger und enger. In der Mitte der Schlucht war sie noch ca. 400 m weit und gegen das Ende der Schlucht wird sie sagenhafte dreieinhalb bis vier Meter schmal. Noch bin ich nicht angelangt an dieser engen Stelle, dem „eisernen Tor“. Ich passiere das ehemalige Dorf Samaria. Sieben Familien lebten dort noch bevor das ganze Gebiet zum Nationalpark erklärt wurde und sie umgesiedelt wurden. Ich verweile kurz dort und versuche mir vorzustellen, wie sie hier gelebt haben. Einsamkeit pur. Schön? Ja, wunderschön. *** 28.06.01 – Arlesheim, Lukasklinik. Ich habe es nicht mehr ausgehalten. Zwischen der vorletzten und er letzten Chemotherapie entschloss ich mich zu einem Aufenthalt in der Lukasklinik. Fast vier Monate Chemotherapie lagen hinter mir. Ich musste nie erbrechen. Aber ich hatte viele Schmerzen. Gelenksschmerzen, Muskelschmerzen. Psychisch erlebte ich mich in einem Wechselbad. Je mehr Schmerzen und Einschränkungen auftraten, desto verzweifelter und hoffnungsloser wurde ich. Ging es mir körperlich etwas besser, wurde es auch in meiner Seele wieder wärmer. Aber immer noch hatte ich dieses Gefühl von Herausgeworfen zu sein. Das Leben fand ohne mich statt.
Ich fand in der Lukasklinik wieder zu mir. Die liebevolle Betreuung, das herzliche Engagement der Therapeuten, die wohlwollende Atmosphäre blieben nicht ohne Wirkung auf meine Seele. Ich fand wieder Struktur, ich erhielt wieder Form – Heileurythmie sei Dank. Malen – ich hielt noch nie einen Pinsel in der Hand! Ich malte und war ganz selig dabei! Singen - ich habe seit meinem 6.Lebensjahr nicht mehr gesungen – und ich sang ein Lied! Ich weinte in meinem Zimmer – aber es waren Tränen der Freude. Biographiearbeit – zuerst dachte ich, brauch ich nicht, schon längst alles bearbeitet. Und wieder entdeckte ich Neues, zunächst schmerzliches, aber heilend. Das verweilen in einem Einzelzimmer ermöglichte mir den Rückzug, den ich brauchte. Eine gewisse Einsamkeit ist Nahrung für mich.... *** 18.09.02 15.00 – ich habe die engste Stelle passiert. Ganze drei Meter breit. Und die Wände fast 600 m hoch. Mein Gott wie beeindrucken mich die Felswände. Ihre Formen, ihre Farben. Ich vergleiche sie mit riesigen Stoffballen, seidige Stoffe, gefaltet, drapiert, ausgestellt. Wie mächtig. Sie stehen schon Tausende von Jahren da. Viele Menschen sind an ihnen vorbei gegangen. Ich komme mir klein und unscheinbar vor, vor diesen Zeugen der Ewigkeit. Und dennoch fühle ich wieder eine Kraft und Stärke in mir. Ich bin ein Teil dieser Ewigkeit. ...
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08.08.01 Der Tag EINS der Bestrahlung. Es war ein schreckliches Gefühl. Ich fühlte mich total dem Geschehen ausgeliefert, wie zu einer Hinrichtung aufgebahrt. Mir war als spürte mein Körper die gewollt tödliche Dosis. Mein Brustdrüsenkörper zog sich zusammen, mein Puls stieg an, ich spürte deutlich das pulsieren meines Blutes in der Halsschlagader. Ich versank wieder erneut in eine tiefe Verzweiflung. Dieses jeden Tag erinnert werden an meine Krankheit, die Unmöglichkeit dem Geschehen auszuweichen. Das Personal war mir nur bedingt ein Trost und eine Hilfe. Für einige war ich eine schwierige Patientin, die überreagiert, für andere war ich ein Mensch der leidet , sie nahmen mich ernst.
Es war mir unmöglich allein zu den Bestrahlungsräumen zu gehen. Ich hatte immer kurz davor das Gefühl, ich muss weglaufen. Zum Glück fand sich täglich eine Freundin, die mich verstand und mit mir ging – ich empfinde unendliche Dankbarkeit für diesen Liebesdienst.
Als es mir nach zwei Wochen gelang, mir visuell den Regenbogen in den Bestrahlungsraum zu holen, begann ich die Situation besser zu ertragen. Der Regenbogen – ein Symbol für die göttliche Verbindung mit uns Menschen, wurde meine Hoffnungs-Brücke in den weiteren fünf Wochen. *** 18.09.02, 15.30 das Ende der Schlucht – ich passiere das Wärterhäuschen und ich muss meine Eintrittskarte abgeben. Wirklich. Dient der Kontrolle, damit niemand in der Schlucht übernachtet. Nach dem Ausgang erwarten mich die typischen, extra für Touristen dekorierten Verkaufsbuden. Ich verschloss meine Augen davor. Wunderschöne Bilder des zurückgelegten Weges nahmen in mir Platz ein und erfreuten mein Herz. Ich war müde, aber glücklich und zufrieden. Und ich wusste, mein Weg zum Meer dauert noch eine kleine Weile...
06.02.02 – auf den Tag genau vor einem Jahr erfuhr ich, dass ich Brustkrebs habe. „ES GEHT MIR GUT, ICH LEBE HEUTE“ steht ganz groß und dick in meinem Tagebuch.
25.02.02 – „Sie haben links einen Befund, den ich weiter abklären will.“ Nein. Nein, ich will nicht, ich kann nicht. Natürlich kann ich. Biopsie – eine Woche warten. Eine Woche Loch, Verzweiflung.....
„Es tut mir leid. Sie haben ein weiteres, invasives Karzinom, aber es ist ein anderer Typ. Er ist nicht so bösartig wie ihr erstes Karzinom. Sie hatten dieses Karzinom bereits letztes Jahr, ich kann es auf den Bildern deutlich sehen, aber die Ärzte damals haben es wohl übersehen. Ihre Chemotherapie hat diesem Karzinom nicht sehr geschadet, was für eine sehr langsame Zellteilung spricht.“
Es ist unglaublich, aber ein Hauch von Glückseligkeit überfällt mich. Einfach ein anderes Karzinom. Keine Metastasen. Kein lobuläres Karzinom mit undifferenzierten Zellen. Gut differenzierte Zellen. Und schon vor einem Jahr auch vorhanden. Nur nicht gesehen. So wie das Karzinom der rechten Seite. Es war auch schon 1999 vorhanden, aber der zuständige Arzt sah es nicht. Mit gravierenden Folgen für mich. Wenn schon ein Karzinom, dann so eines.... Frau wird bescheiden, wenn das Schicksal sie so beutelt.
Operation – kein Lymphknotenbefall. Gott sei Dank. Bestrahlen wäre gut. Nein und nochmals nein. Diesmal setze ich mich durch. Ich will keine Bestrahlung mehr. Finde zwei Ärzte, die mich unterstützen. Meine Lebensqualität und die Stärkung meines Immunsystems sind mir wichtiger. Dieser Sommer gehört mir und ich werde ihn so bewusst erleben... *** 18.09.02 – 16.00 Agia Roumeli und das Meer – ich bin am Meer angelangt. Was für ein wunderbares Gefühl. Ich habe es geschafft. Ich ziehe meine Schuhe aus, stampfe durch einen seltsamen schwarzen Kies. Ich gehe auf die Wellen zu, die Wellen kommen auf mich zu. Ich empfinde die erste Berührung mit dem Meerwasser wie eine liebevolle Umarmung, ein bedingungsloses Willkommen. So als würden sie sagen, schön, das du da bist – ja, schön, dass ich da bin....
Anna Lena Graf
Das zweite Leben Marceline Selm
Die sanfte Massage: Lymphdrainage Chantal Jauslin
Es liegt an uns! Bea(trice)
LOOK GOOD - FEEL BETTER Sabine
LOOK GOOD - FEEL BETTER Nicole Benz
Aus Zeit Annina
Das zweite Leben Claudine
Happy End Annina
Hoffen und Sehnen Annina
Ich doch nicht strizzi
Vor zwanzig Jahren Marijke
„sich ein Bild machen“ Annina
Ein neues Schnittmuster Annina D.
Leben - besser als zuvor Manu
Happy End Annina
Die Fremde im Spiegel oder die Frau mit der Perücke Miriam Glass
Meine Chemotricks Renate
ANNEHMEN KÖNNEN Therese
Alles wird wieder gut Annina
Das Ganze war natürlich ein grosser Schock… Vreni H.
Der Anfang einer kleinen Geschichte Veronika
Etwas über die Mistel Eva E.
NARBEN – GEDANKEN von Madeleine Käslin
Rückblick auf bewegte und bewegende Monate Elisabeth
leben wie zuvor Ursula Kessler
CROSSROADS Sabine
Morgens vor dem Spiegel EVA
Selbst ist die Frau Sylvia Brathuhn
Workshop für Engel Papillon
Aus der Not eine Tugend machen Nina Lupp
Der eigene Engel Germaine Neukom
Ein ganz normaler Sommermorgen Sonja Dreher
Offener Brief an meine Freundin Papillon
Ich will Lea
Der Port-a-Cath Eva E.
Kinder des Krebses Sandra Wöhe
Aus meinem Tagebuch Claudine
Zurück ins Leben Eveline E.
Brustkrebs? – das kriegen nur die anderen! Beatrice Kern
"Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte" Erma Bombeck
Die Zahl 13 Lou
Eine schlimme Diagnose La Donna sempre in giro (alias Solita)
Septemberblau der Himmel Christa Strasser
Ein ganz normaler Sommermorgen Sonja D.
Ferien im Champ-Nany (Bresse, Burgund, Frankreich) Ruth, Sepp, Tobias, Flavia Kiser aus Giswil
Ein ganz normaler Montag Papillon
Erwachen – aufwachen – wach sein... Anna-Lena
Wir sind betroffen Graziella
20 Jahre!! Jsabella
Bekenntnis zur Selbstachtung Virginia Satir, Familientherapeutin, USA
Für meine liebe Mutter Daniela
Genug Zeit Renate H.
RAT"SCHLÄGE"? – JA. BITTE! Christa Cerni
Rezidiv Beatrix
Total dankbar Nella
Trotz allem ein wunderbares Erlebnis Hanny G.
Tyrannei von innen Christa
eine Brust – keine Brust ...... einen Busen – keinen Busen...... Margreth
Am Anfang steht die Entscheidung.... Anna Lena
Ein Brief an Euch alle Anna Lena
Das weissgraue Pelzchen Angelika
Eine Liebesgeschichte Trudi
Föhn – Chemotherapie – Perücken Elisabeth
Tenorsaxophon AmaZone
Brustlos glücklich? Oder brustlos und doch glücklich? Evelyn
Ein kleines Geheimrezept Ruth
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Evelyn Marti: Matuschka mit Gipsbüste |
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