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Hier berichten an Brustkrebs erkrankte Frauen von ihren Erfahrungen: leidvollen, aber auch hoffnungsvollen.
Die Erfahrungsberichte zeigen, dass wir alle unsere ureigene Art und Weise haben, mit unserer Krankheit umzugehen. Keine ist besser oder schlechter.
Wir hoffen, dass auch Ihnen die folgenden Berichte Mut machen und Sie auf Ihrem eigenen Weg bestärken.
Falls Sie einen Erfahrungsbericht beifügen möchten, schicken Sie Ihren Beitrag bitte per E-Mail an [email protected].
Die Erfahrungsberichte werden auf Wunsch auch anonym veröffentlicht.
Vielen Dank!
Vom Blinzeln der Seele durch das Meer der Tränen Barbara
VOM BLINZELN DER SEELE DURCH DAS MEER DER TRÄNEN Von Barbara
Eintrag von heute vor zwei Jahren: „Mammografie deutet auf etwas Malignes. Mein rundes, glückliches Leben fällt in sich zusammen. Ab jetzt brauche ich immer Taschentücher …“
Doch das war nicht alles. Es war der Blitzschlag aus allerheiterstem Februarhimmel, der mich traf. Die Lawine ist über mich hinweggerollt. Unter meinen Füssen hat sich der Boden aufgetan. Diagnose Brustkrebs. Ich versank in ein Meer von Tränen, lag da als ohnmächtig zitterndes Häufchen aus Angst, Wut und Fassungslosigkeit. .Ehe meine Seele auch nur einmal blinzeln konnte, wurde mein Körper vereinnahmt von eiskalten Präzisionsapparaten, von derer Existenz ich nicht einmal gewusst hatte. Fremde Finger drückten an meinen verängstigten Brüsten herum, ärztliche Stirnen runzelten sich über meinen Befunden. Mein Leben spielte sich in Warte-, Sprech- und Schweigezimmern ab. Meine Agenda angefüllt mit Arztterminen.
Ich begann zu hadern mit meinem Los und schimpfte voller Zorn auf die Ungerechtigkeit einer Welt, die ausgerechnet mir, einer Mutter von zwei kleinen Kindern, diese hundsgemeine dreckige ScheissKrankheit in die Brust gepflanzt hatte. Oder dann wurde ich ein bisschen zynisch und sagte zu mir selber: Du hast doch immer etwas Grosses vollbringen wollen – voilà, nun hast du immerhin einen anständig grossen Tumor zustande gebracht! (Und so ganz nebenbei: mein ganzer Lebensentwurf ist ein einziger Scherbenhaufen.)
Und über all dem diese grauenhafte lähmende Angst, die jeden Ausdruck von Lebensfreude im Keime erstickte. Und woher sollte ich sie auch nehmen, meine Lebensfreude – wenn ich doch so überzeugt war, die nächsten sechs Monate oder so sowieso nicht zu überleben?
Als wär’s gestern gewesen, erinnere ich mich, wie sich vor zwei Jahren der Tod zu mir an den Tisch gesetzt hat: „Schau mir in die Augen, Kleines“ sagte er Ich schaue weg. Starre ins Leere, mit diesem Blick der Kinder, die denken, so sieht man mich nicht. So sieht er mich nicht. Dann blinzle ich, schaue kurz mit einem Auge und kneife es wieder zu. Ich schaue nochmals – und untereins ist es da, das Wissen darüber, wie ich es an- zustellen habe, damit ich hinein schauen kann in diese Augen, nicht mehr wegsehen muss. „Und jetzt?“ sage ich. „Was willst du?“ fragt er. „Zeit will ich. Zeit! Viel Zeit… Geh, mach einen Umweg. Schlag dir ein paar Jahre um die Ohren, bevor du wieder kommst!“ Seither bin ich einen weiten Weg gegangen. Einen anstrengenden. Mühsamen. Steilen. Ich habe gelernt, ihn als MEINEN WEG zu sehen und anzunehmen. Ich erinnere mich, wie wir vor Jahrzehnten in durchzechten und durchkifften Nächten diese endlos ach so philosophischen Diskussionen führten: „Was würde ich tun, wenn ich eine lebensbedrohliche Krankheit hätte? – und wie wir uns ergingen in den tiefgründigsten, abstrusesten und erlesensten Theorien und Spekulationen… Und wenn ich mich heute so ansehe mit meinem Mammazeeaa, dann muss ich sagen: Bescheiden, äusserst bescheiden und unspektakulär, leben halt, hier und jetzt. Aber leben - und wie!
Und heute, zwei Jahre danach, heute donnern echte Lawinen mitten in Dörfer und Weiler voller Menschen. Ich habe inzwischen meine Sprache gefunden, das unsagbar Unsägliche zu benennen. Einzukreisen. Ich bin dem Schlimmsten vom Allerschlimmsten begegnet. Gegenübergesessen. Dieses Allerschlimmste gibt mir heute eine Art von Freiheit. Ich lebe viel mehr jetzt und heute, weil ich weiss, was ich habe am Leben. Wie schön und stark und intensiv das Leben in Form des Augenblicks sein kann, wissen wir mit unseren Narben, wir Zerschnittenen, Vergifteten, Verbrannten.
Wir klammern uns ans Leben An jedes Tröpfchen Augenblick JA! Vor zwei Jahren hätte ich meiner Tochter das T-Shirt mit dem Seestern, dem Krebs und dem Fisch nicht anziehen können. Der Krebs lag über der Schmerzensgrenze. Heute sehe ich die Kinder spielen mit einer Stabpuppe, deren sämtliche roten Wollhaare ausgerissen, weggerupft sind, und mein Mann und ich lächeln uns an und ich empfinde fast ein Art von Mitgefühl mit dem armen Chemopüppchen und es sind tatsächlich auf den Tag genau zwei Jahre. Ich jubiliere!
Gut, dass es Dich gibt. Was wäre die Welt ohne deine Ideen deine Energie deine Worte deine Talente deine Stärken deine Schwächen?
Dasselbe, sagt du? Vielleicht. Aber Du würdest fehlen!
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