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Hier berichten an Brustkrebs erkrankte Frauen von ihren Erfahrungen: leidvollen, aber auch hoffnungsvollen.
Die Erfahrungsberichte zeigen, dass wir alle unsere ureigene Art und Weise haben, mit unserer Krankheit umzugehen. Keine ist besser oder schlechter.
Wir hoffen, dass auch Ihnen die folgenden Berichte Mut machen und Sie auf Ihrem eigenen Weg bestärken.
Falls Sie einen Erfahrungsbericht beifügen möchten, schicken Sie Ihren Beitrag bitte per E-Mail an [email protected].
Die Erfahrungsberichte werden auf Wunsch auch anonym veröffentlicht.
Vielen Dank!
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah Annina
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.
Von Annina
Liebe Frauen Ja, in der Schweiz liegt viel Gutes. Ein ganzes Leben würde wohl nicht ausreichen um in alle schönen Ecken zu kommen und jede einzelne Aussicht zu geniessen. Schaukelnd alle Flüsse und Seen per Boot zu erkunden, alle Berge zu besteigen, alle Abenteuer zu erleben und allen schönen Menschen zu begegnen die es hier gibt. In der kleinen Schweiz gibt es viele Orte an denen wir getrost unsere Seele baumeln lassen, und unsere Batterien aufladen können. Und doch…obwohl das Gute so nahe liegt…zieht es uns manchmal in die Ferne. Mindestens einmal pro Jahr schweifen wir ab, werden unserer schönen Helvetia untreu und machen uns auf die Socken um all das zu tun, was wir hier auch tun könnten. Zugegeben, wir haben kein Meer, aber schwimmen und „sünnele“ kann man auch an der Rheinpromenade in Basel, an der „Ufschütti„ in Luzern oder am Ufer des Doubs im Jura. Fremde Menschen und deren Gebräuche, lassen sich auch an einer Grillparty auf Nachbars Balkon kennen lernen. Unser Interesse für Kultur und Geschichte, liesse sich auch in unzählige Museen und Ausstellungen in der Schweiz befriedigen und trotzdem… schweifen wir in die Ferne.
Im Juni bin ich ins ferne Istanbul geschweift und habe mich zum wiederholten Mal in die Stadt verliebt. ISTANBUL! Schon der Name klingt nach Verlockung. Ebenso wie Konstantinopel oder Byzanz, die früheren Namen dieser Stadt am Bosporus, die hingegossen über sieben Hügel, am Ende der europäischen und am Anfang der asiatischen Platte liegt (je nach Betrachtungsweise). Ich gebe dem Locken gerne nach und streife aufs Geratewohl durch diese wundersame Stadt. Istanbul, du bist schön! Die Umsicht und das besondere Lächeln, das man hier für ältere Menschen auf den Lippen hat, bezirzen mich. Der Charme deiner verwitterten Holzbauten, wickelt mich um den Finger. Das Tuten deiner Fähren, die geschäftig von einem Bosporus Ufer zum anderen fahren und die Rauchfahnen, die sich im Morgengrauen aus dem Dunst der Meeresenge empor kräuseln, betören mich. Die Höflichkeit und die viel besungene Gastfreundschaft deiner Bewohner berühren mein Herz.
Nirgends bummle ich lieber als auf deinen Strassen, über die schon Duzende von verschiedenen Völkern gegangen sind und ihre Spuren hinterlassen haben. Die Schönheit und Erhabenheit der Moscheen betrachten zu dürfen, ist eine Ehre ohne Furcht. Dein Licht am frühen Morgen und abends, scheint goldener als anderswo. Es gleisst und glitzert auf unzähligen kleinen Wellen, von denen du umgeben bist, dem Bosporus, dem Marmarameer und dem Schwarzen Meer. Wasser schwappt hier an den Ufern, gluckst in den Brunnen der Parks, kräuselt sich in den unterirdischen Zisternen und fliesst aus den Messingschnäbeln der Reinigungsbrunnen in die Hände der Gläubigen vor dem Gebet. Girlandengleich schnörkelt sich hier der Gesang aus Gruppen von jungen Sufi-Musikern, die ich im Innenhof einer kleinen Moschee hingebungsvoll und mit geschlossenen Augen öfters beisammen sitzen sah, in die Höhe und vermischt sich dort mit dem Geruch des dargebotenen Tees und der Rosen die im Pavillon wachsen und landet dann wieder bei den gackernden Hühnern die zwischen niedrigen Tischen herumsausen. Und jedes Mal schwebt meine Seele mit.
Dich zu verlassen fällt nicht leicht. Man möchte nie gehen müssen. Und trotzdem…..beim Nachhause kommen, fallen mir die saftig grünen Weiden auf. Waren die immer schon so grün in der Schweiz? Fällt mir der Dialekt im Zug auf und klingt ganz weich in meinen Ohren. Schmeckt mir der erste Schluck Milch einfach köstlich und nach Kindheit. War die Milch in der Schweiz denn immer schon so gut? Riecht es in meiner Wohnung nach tausend Dingen die ich erst jetzt, nach einer Reise, per Nase erkenne. Kennt Ihr das?
Es ist doch so: bleibt man immer am selben Ort, gewöhnt man sich so an die verschiedenen Gerüche, dass man sie gar nicht mehr wahrnimmt. Erst nach einer Zeit der Abwesenheit werden einem die Düfte wieder bewusst. Vielleicht ist es mit Schönheit dasselbe. Oder mit Freundschaft. Oder mit Liebe. Auch das Schwärmen für eine Reise und das Verklären einer fremden Stadt, ist so eine Sache. Im Nachhinein meine ich, in Istanbul nur Gutes erlebt, und Schönes gesehen zu haben. Aus dem gleichen Grund kann ich über die Stadt nicht anders, als schwärmend berichten.
Vielleicht ist das Schweifen in die Ferne doch nicht so schlecht. Denn, ein Sprichwort das mir sagt, ich könne alles Gute auch in meiner Nähe finden, ist die eine Sache. Das Schöne meiner Heimat bei der Rückkehr von einer Reise mit allen Sinnen wieder zu entdecken, eine ganz andere! Wenn man die Schönheit der grünen Weiden und der Mundart, die Süsse unserer Milch und die Düfte die hier in der Luft liegen, erst so richtig wahrnimmt bei der Rückkehr von einem erwunschenen Ort, kann das Reisen nicht ganz so verkehrt sein. Es muss ja nicht unbedingt Istanbul, Marrakesch, Ulan Bator, der Hindukusch oder Muscat sein. Es genügt sicherlich auch schon, einfach mal in den Bus Daheim zu steigen, drauflos zu fahren und zu sehen, wo`s einen hin verschlägt. Ich bin überzeugt, dass sich dabei viel Schönes entdecken lässt. Wenn man dann noch nette Mit-Busfahrer kennenlernt…umso besser.
Obwohl…wenn ich`s mir so recht überlege…Muscat …dieses Wort zergeht auf der Zunge …MUSCAT! Wer weiss…vielleicht schaff ich (oder Eine von Euch) es ja irgendwann diese Stadt im Oman zu sehen. Wenn`s Eine von Euch, liebe Frauen, vor mir schafft, lasst es mich/uns wissen. Im Internetforum von www.leben-wie-zuvor.ch wird über alles Mögliche gesprochen, geplaudert, berichtet, beratschlagt… In der Hoffnung, dass viele von Euch auf eine schöne, erholsame und bereichernde Ferienzeit zurückblicken können, möchte ich Jeder von Euch eine Brise Meeresluft und Fährendampf, ein paar Klänge Saz-Musik und goldenes Licht schicken. Damit unsere Seelen trotz der unseligen Krankheit, für ein paar Augenblicke entführt werden an den lichten Ort der Phantasie und der Reiseerinnerung. Alles Liebe Annina
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