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Hier berichten an Brustkrebs erkrankte Frauen von ihren Erfahrungen: leidvollen, aber auch hoffnungsvollen.
Die Erfahrungsberichte zeigen, dass wir alle unsere ureigene Art und Weise haben, mit unserer Krankheit umzugehen. Keine ist besser oder schlechter.
Wir hoffen, dass auch Ihnen die folgenden Berichte Mut machen und Sie auf Ihrem eigenen Weg bestärken.
Falls Sie einen Erfahrungsbericht beifügen möchten, schicken Sie Ihren Beitrag bitte per E-Mail an gaillard@leben-wie-zuvor.ch.
Die Erfahrungsberichte werden auf Wunsch auch anonym veröffentlicht.
Vielen Dank!
Ein Brief an Euch alle Anna Lena
Liebe .....
Ja, wie soll ich euch ansprechen? Was ist passend? Liebe Freundinnen? Liebe Auchbetroffene? Liebe Frauen? Liebe Leserinnen? Liebe Onko-Schwestern? Liebe Menschen? Liebe Verstehende, weil uns etwas gemeinsam aber einsam Erlebtes, verbindet? Ich weiss es nicht was gut ist. Ich weiss nur, dass ich mit euch in Kontakt sein will. Ihr seid nämlich schon länger mit mir in Kontakt. Ihr wisst es nur noch nicht. Aber seid meiner Erkrankung ist euer Bulletin ein Lesestoff für mich. Es hat mir gut getan von eurem Erleben, euren Hoffnungen euren Mut zu lesen und es tut mir immer noch gut.
Im Februar 2001 traf mich unvorbereitet die Hammer-Diagnose Brustkrebs. Wen ich mich euch im März 2001 vorgestellt hätte, dann hätte das in etwa so getönt: · ich heisse Anna Lena, habe Brustkrebs... · Davor war ich Berufsschullehrerin und Transaktionsanalytikerin... · Ich hatte noch so viele Ideen... · Gestern noch dachte ich an eine Lebenserwartung von noch 30 – 40 Jahre, heute sehe ich, dass ich die 0 streichen muss....
Nun, heute, September 2002 stelle ich mich wie folgt vor: · Hallo, ich heisse Anna Lena Graf, ich bin Transaktionsanalytikerin im Bereich Beratung, Berufsschullehrerin im Gesundheitswesen und ich hatte Brustkrebs. Und zwar nicht nur einen. Bei der ersten Nachsorgeuntersuchung im Februar 2002, erkannte meine Ärztin ein Karzinom auf der linken Seite, welches ein Jahr zuvor „übersehen“ wurde, weil das Karzinom auf der rechten Seite so „beeindruckend“ war. (Das ist nicht meine Interpretation, das sagte ein Radiologe zu mir).
Aber zurück zum Anfang. Ich wollte euch teilhaben lassen an meiner Geschichte. Es war im Mai 2001, da schrieb ich folgenden Brief an meine Freunde:
Es sind nun drei Monate her, dass mein Leben eine radikale Wende erfahren hat. Fast drei Jahrzehnte war ich im Bereich Krankenpflege, Ausbildung und Beratung tätig, auf der Seite der Gesunden, für die Kranken. Am 06.02.01 wurde ich durch die Diagnose Mamma- Karzinom schlagartig auf die andere Seite – auf die Seite der Kranken katapultiert. Die Diagnose traf mich so unvorbereitet, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Ich fühlte mich gesund, ich klärte nur einen Tastbefund ab, der sich wie eine Zyste anfühlte. Und ich hatte auch eine Zyste – die war harmlos. Aber darunter entwickelte sich ein lobuläres Karzinom mit sehr aggressiven Zellen. Die Diagnose war und ist für mich ein Schock. Nie habe ich je daran gedacht ernsthaft krank zu werden und so lernte ich sehr schmerzhaft eine neue Lektion: Gesundheit ist kein Privileg auf alle Zeiten, ich bin verletzlich. Es war ein kleiner Kreis von mir nahe stehenden Menschen, die meinen ersten Schock miterlebt haben. Von ihnen erhielt ich viel Anteilnahme, ehrliche Betroffenheit und positive Zuwendung. Und ich nahm sie auf wie ein Fass ohne Boden. Es war mir unmöglich in dieser ersten Zeit auf all die Grüsse, Fragen, Angebote und Geschenke mit einem Danke zu reagieren.
Mit diesem Brief möchte ich aber meine Dankbarkeit für alles ausdrücken, was mir an guten, positiven Gedanken und Wünschen geschickt wurde. Alles kam bei mir gut an – ich habe es gut gebrauchen können und ich brauche es noch. Nichts von den vielen guten Wünschen ist verloren gegangen. Ich habe alles in mir gespeichert und es hat mir sehr gut getan.
Immer wieder kamen bei mir folgende Frage an: „Was kann ich für dich tun? Was hilft dir? Ich fühle mich so hilflos! Ich sehe deine Verzweiflung, aber ich weiss nicht was ich für dich tun kann? Ich habe Angst etwas falsch zu machen, dich zu verletzen.“
Ich will euch gerne wissen lassen, was mir gut getan hat, was mir weiter gut tun wird, aber auch was ich weniger gut empfunden habe. Denn mein Kampf ist noch nicht ausgestanden. Da mein Tumor sehr aggressiv war, habe ich nun eine sehr intensive Chemotherapie bis Mitte August, mit anschliessender Bestrahlung an 35 Tagen. Ich persönlich will nach der schulmedizinischen Behandlung noch nach Arlesheim, um eine komplementärmedizinische Behandlung zur Stärkung des Immunsystems zu erhalten. Zur Zeit darf ich wegen der starken Chemotherapie keine Misteltherapie haben.
Was hat mir gut getan?
Alle ehrlichen Aussagen über die eigene Betroffenheit und auch das Ausdrücken von der eigenen Rat- und Hilflosigkeit. Das gab mir die Möglichkeit auch mein Entsetzen und meine Hilflosigkeit zu spüren und ehrlich darauf mit Trauer und Verzweiflung zu reagieren. Das Zulassen der Gefühle ist nicht für alle gut zu ertragen, aber mir als Betroffene hat es gut getan.
Alle Grüsse und Wünsche, vor allem die, die mich immer wieder an meine Kraft erinnerten. Diese Kraft hatte ich für eine Weile völlig verloren. Die ungünstigen Prognosen zogen mich immer mehr in eine tiefe Depression. Mit Hilfe von Therapie und - da bin ich mir ganz sicher - mit Hilfe all der liebevollen guten Wünsche von Menschen die mir wohlgesinnt sind, die mich mögen, habe ich es geschafft, aus der Tiefe der Depression auszusteigen. Noch habe ich keine Metastasen und noch hat mein Körper nicht das letzte Wort gesprochen. Und mein Wille sagt, ich will leben. Und ich will die Qualität meines Lebens hier und jetzt und heute bestimmen. Ich kann wählen zwischen dem Prinzip Hoffnung oder der Hoffnungslosigkeit. Ich wähle die Hoffnung. Diese Entscheidung habe ich getroffen. Ich glaube an die mentale Kraft des positiven Denkens und an die Fähigkeit meines Immunsystems. Ich gebe meinen Immunsystem nun die Unterstützung, von der ich glaube, dass es nötig ist und ich setze meine Kraft und Energie ein, um mein Ziel, den Krebs zu besiegen, zu erreichen.
Und dazu brauche ich auch Menschen wie ich euch erlebt habe. Menschen die Mut machen und empathisch sind. Menschen, die sich berühren lassen und das Leid des Anderen sehen und wahrnehmen.
Alle Menschen, die mir ihre Zeit geschenkt haben um Dinge für mich zu erledigen, die mir einfach zuviel waren.
Menschen, die da waren, als es mir besonders schlecht ging. Die von sich her spontan telefonierten und nicht locker liessen, obwohl ich oft nicht erreichbar war. Dieses immer wieder anklopfen und fragen und mich nicht fallen lassen. Das hat mir so gut getan. Ich bin dankbar dafür.
Es gab aber auch Begegnungen, die mich verletzt haben. Ich bin mir bewusst, dass meine Interpretation was verletzend ist, durch meine besondere Situation stark bestimmt ist. Dafür übernehme ich auch die Verantwortung. Ich gehe nicht davon aus, dass mich andere Menschen wissentlich verletzen wollen. In meinem Schock war es mir nur bedingt möglich, alles was ich als verletzend erlebte, auch zu konfrontieren.
So dürfte es wohl bekannt sein, dass ich das onkologische Ambulatorium verlassen habe, weil die ärztliche Betreuung und auch die Pflege ungenügend waren. Ich bin nun in einem privaten Tumorzentrum in Behandlung. Dass meine Erwartungen nicht unermesslich waren, zeigt sich ja nun. Die Pflege und auch die ärztliche Betreuung entspricht voll meinem Bedürfnis und ich kann mich entspannt der ohnehin schwierigen Therapie widmen.
Ich erlebe auch Freunde und Kolleginnen, die nicht so gut mit meiner Situation umgehen können. Ich erlebe diese Menschen so, dass sie sich schlecht mit Leid und Schmerz konfrontieren lassen. Sie reagieren, statt zu ihrer Hilflosigkeit zu stehen, mit Forderungen und Vorstellungen an mich und wie ich mich zu verhalten habe.
So habe ich erlebt, dass mir am Anfang der Chemotherapie, die mir sehr viel Angst machte, gesagt wurde: „Wenn du dich nicht positiv darauf einstellst, wird sie dir nichts nützen – also stell dich gefälligst nicht so an.“
Auch der Onkologe hatte die Vorstellung, dass ich 5 Wochen nach der Diagnosestellung die Diagnose Krebs schon verarbeitet haben sollte. Und es gibt auch Menschen, die sich Gedanken gemacht haben, was für mich besser wäre , z.B.: „Es wäre besser für dich in Zukunft, wenn du irgendwo eine Lernwerkstatt leitest und nicht mehr an die Klinik zurückkommst.“ Angebote; wie „wenn euch die Decke auf den Kopf fällt, dann ruft einfach an..“ oder „wenn du etwas brauchst, sage es einfach..“ waren wenig hilfreich. Menschen die mir bzw. uns solche Angebote machten, übersahen, dass wir aufgrund unseres geschockten Zustandes nicht imstande waren, das Hilfsangebot zu nützen.
Aber wie gesagt – die meisten meiner Erfahrungen sind und waren positiv. Ich wünsche jeden Menschen, dem Leid widerfährt, dass er soviel Zuwendung und Hilfe bekommt, wie ich es erfahren durfte. Ich möchte abschliessend nochmals meinen Dank aussprechen und euch gleichzeitig um eure weitere positive Unterstützung bitten. Ich habe gelesen, dass für ein gut funktionierendes Immunsystem ein positiver Freundeskreis mindestens genauso wichtig ist, wie Vitamine und Spurenelemente.
So nun schliesse ich meinen Brief und meine Informationen an euch. Ich hoffe, ich habe alle Menschen erreicht, die mich erreicht haben.
In Dankbarkeit und herzlicher Verbundenheit, ganz liebe Grüsse
Eure Anna Lena Graf
Leben - besser als zuvor Manu
Happy End Annina
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Alles wird wieder gut Annina
Das Ganze war natürlich ein grosser Schock… Vreni H.
Der Anfang einer kleinen Geschichte Veronika
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Erwachen – aufwachen – wach sein... Anna-Lena
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Brustlos glücklich? Oder brustlos und doch glücklich? Evelyn
Ein kleines Geheimrezept Ruth
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Evelyn Marti: Matuschka mit Gipsbüste |
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