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Hier berichten an Brustkrebs erkrankte Frauen von ihren Erfahrungen: leidvollen, aber auch hoffnungsvollen.
Die Erfahrungsberichte zeigen, dass wir alle unsere ureigene Art und Weise haben, mit unserer Krankheit umzugehen. Keine ist besser oder schlechter.
Wir hoffen, dass auch Ihnen die folgenden Berichte Mut machen und Sie auf Ihrem eigenen Weg bestärken.
Falls Sie einen Erfahrungsbericht beifügen möchten, schicken Sie Ihren Beitrag bitte per E-Mail an [email protected].
Die Erfahrungsberichte werden auf Wunsch auch anonym veröffentlicht.
Vielen Dank!
Aus Zeit Annina
Aus Zeit Um in mich zu gehen, habe ich mir eine Auszeit genommen. Mir gefällt dieses Wortspiel. Es wurde mir eine Pause verordnet. Zusammen mit noch nicht bezogenen Ferientagen, habe ich im Herbst ein schönes Päckchen freier Tage geniessen können.
Nach dreieinhalb krebsfreien Jahren, ist die Krankheit zurückgekehrt. Das Auftauchen von Rezidiven hat den Krebs wieder ins Zentrum meines Lebens gerückt, nachdem er eine rechte Zeit lang nur noch am Rande vorhanden gewesen ist. Ich habe noch einmal die Prozedur von Operation, Tests, Untersuchungen, Wartezimmern, Arztkonsultationen, Zweitmeinung, weitere Untersuchungen, Angst, Bestrahlung, Beruhigung, über den Haufen geworfene Lebensplanung etc. durchlaufen. Daneben habe ich verbissen weitergearbeitet. Es hat fast zwei Monate gedauert, bis mich jemand dazu überredet hat, eine Auszeit zu nehmen. Trotz der vielen Umtriebe, die aufgrund des wieder Aufflammens der Erkrankung geschehen sind, habe ich mir nämlich keine Zeit genommen, genau hinzuschauen auf das was gerade passiert.
Kommt Euch das bekannt vor? Wenn man als Kind etwas Ungutes auf einen zukommen sieht, blickt man auf die Seite. Man denkt: „ wenn ich nicht hin-schaue…. „es“ nicht sehe…dann existiert „es“ nicht“. So habe ich alles, Operation inklusive, über mich ergehen lassen ohne wirklich hinzuschauen. Ich habe gedacht, wenn ich nur weiterlebe und arbeite wie bisher und den Krebs weiter am Rande mitlaufen lasse, dann wache ich vielleicht eines Morgens auf und die Geschichte mit den Rezidiven erweist sich als Traum.
Beim Bescheid des Rückfalles habe ich mich als Versagerin gefühlt. Ich habe gehadert und wollte das Existieren der Rezidive nicht anerkennen. Es war, als wäre ich Jemandem (oder Allen in meiner Umgebung) gegenüber verpflichtet die Krankheit zu „besiegen“. Lange hat es ja auch nach einem Sieg ausgesehen. Ich frage mich wie es geschehen kann, dass man ein Leistungsdenken bezüglich der Bewältigung einer lebensbedrohlichen Erkrankung entwickelt. Eigentlich erscheint mir dies absurd und trotzdem passiert es mir.
Als ich meinem Chef sagen musste, dass ich einen Rückfall habe und evtl. eine Zeit lang nicht mehr im gewohnten Masse arbeiten kann, habe ich geheult wie ein Schlosshund (ich vermeide es sonst immer sehr erfolgreich vor anderen Menschen zu weinen). Tags darauf ist mir bei meiner direkten Vor-gesetzten, genau dasselbe passiert. Ich habe mich elend gefühlt und zwar nicht, weil mein Leben erneut durch den Krebs bedroht wird sondern, weil ich zugestehen musste eine Zeit lang nicht mehr 100% Leistungsfähig zu sein. Es kam mir vor, als wäre die Rückkehr der Krankheit mein persönliches Versagen. Wie wenn ich falsche Strategien, falsche Medikamente etc. gewählt habe oder ganz einfach zu schwach war, im Kampf gegen die Erkrankung. Das allerseltsamste ist, dass ich den Krebs nie bekämpfen wollte. Eher wollte ich ihn überreden, mich doch in Ruhe zulassen. Ich habe mich dann für einen Monat aus dem ganzen Tohuwabohu herauskatapultiert und mich der Krankheit und dem möglichen nahen Tod zugewandt. Hierfür bin ich in die Berge gegangen. Ich habe früher ab und zu Berichte über Menschen, die lebensbedrohlich erkrankt sind oder in einer tiefen Lebenskrise stecken gelesen. Was die meisten Berichte verbunden hat, war die Zuwendung dieser Menschen zur Natur. Darüber habe ich immer ein wenig lächeln müssen. Es kam mir klischeehaft vor. Während der letzten Jahre, habe ich aber öfters genau dasselbe getan. Ich habe mir immer wieder kleinere oder grössere Auszeiten genommen um in der Natur zu sein.
Am liebsten bin ich ganz alleine mit meinen Gedanken oben auf einem Berg. Ich lebe dann in einem Zimmer bei einem Bauern, esse wenig und einfach und tue nichts anderes als laufen und schauen und riechen. Ich liebe den Rhythmus der Schritte auf einem Bergwanderweg, den Duft der Erde, die Form der Berge, den nahen Himmel. Ich liebe es, ganz reduziert zu leben (aber reich beschenkt durch die Natur), den Wetterwechsel zu spüren, Bedürfnisse wie Hunger und Durst wieder zu erkennen oder auch das Bedürfnis nach Schutz bei eisigem Wind und Regen. Hier fühle ich mich lebendig und ertappe mich dabei ständig vor mich hin zu grinsen. Die Berge haben seit meiner Kindheit immer noch die gleiche Form. Sie stehen stoisch immer noch am selben Platz. Das hat etwas von Trost. Den finde ich nicht in der Hektik des Alltags und wenn man etwas bitter nötig hat in der Krankheit, dann ist es wahrhafter Trost. Zwischen den uralten Felsen kann ich getrost über mich, mein Leben und die Krankheit nachdenken und es macht mir keine Angst. Hier bin ich niemandem Rechenschaft schuldig und ich muss nichts leisten (ausser abends vom Berg wieder runter zu kommen). Solche Auszeiten, Trost und Erholung wünsch ich allen die dieses (ebenfalls tröstliche) Bulletin lesen.
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