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Hier berichten an Brustkrebs erkrankte Frauen von ihren Erfahrungen: leidvollen, aber auch hoffnungsvollen. Die Erfahrungsberichte zeigen, dass wir alle unsere ureigene Art und Weise haben, mit unserer Krankheit umzugehen. Keine ist besser oder schlechter. Wir hoffen, dass auch Ihnen die folgenden Berichte Mut machen und Sie auf Ihrem eigenen Weg bestärken.

Falls Sie einen Erfahrungsbericht beifügen möchten, schicken Sie Ihren Beitrag bitte per E-Mail an [email protected].

Die Erfahrungsberichte werden auf Wunsch auch anonym veröffentlicht.

Vielen Dank!



„sich ein Bild machen“
Annina


Liebe Frauen
Darf ich Euch diesmal von etwas Besonderem berichten?
Sicherlich malt die eine oder andere Leserin dieses Bulletins. Die eine viel-leicht aus Lust und Laune und zum Vergnügen, die andere beruflich, noch andere aus einem Bedürfnis heraus. Einige malen vielleicht schon von Kindesbeinen an, andere vielleicht erst seit einiger Zeit. Einige malen in Öl, andere bevorzugen Aquarellbilder oder Kohlezeichnungen. Einige malen was sie vor sich sehen, andere was sie dahinter zu erkennen meinen. Einige malen nur ab und zu, andere unermüdlich Tag und (… vielleicht noch lieber, in der…) Nacht. Einige malen auf ihrem Weg viele Bilder alter Meister nach und lernen das Malen von Grund auf, andere malen von Anfang an aus sich her-aus ohne Bedürfnis nach Fachwissen.

Ich habe von alledem keine Ahnung. Ich bin Eine mit zwei linken Händen (liebe Linkshändler, vergebt mir diese Redensart). Das heisst: ich habe kein Talent wenn es um die bildliche Darstellung von Irgendwas geht!
Das war schon immer so. In der Schule sass ich malstundenlang vor weissen Blättern, die sich partout nicht füllen lassen wollten und schaute neidisch auf die Kunstwerke links und rechts neben mir. In anderen Fächern konnte ich mir die Materie erklären lassen wenn ich etwas nicht verstand, aber das Malen?.......das konnte mir niemand erklären! Erklärungsversuche wird es sicherlich gegeben haben und mein Kopf hat wohl so einiges aufgenommen, nur ist`s dann nicht weiter bis in meine beiden linken Hände gegangen. „Entweder man kann`s, oder man kann`s nicht“, sagte ich mir. Das Thema Malen war also nach meinen frustrierenden Malstunden in der Schulzeit abgehakt.

Dann bin ich als über Vierzigjährige dem Malen in der Schützenklinik in Rheinfelden wiederbegegnet. Ich meine mich zu erinnern, dass die Maltherapie freiwillig besucht werden konnte. Wenn ich mich wiederum recht erinnere, waren die Stunden aber immer voll besetzt. Das Malen liess sich niemand entgehen und das machte mich neugierig, da wollte ich auch mit von der Partie sein!

Nach so vielen Jahren wieder einen Pinsel oder einen Stift in die Hand nehmen, war ein seltsames Gefühl.

Ob ich wohl Farbe auf`s Papier bringen würde? Rechts und links neben mir malte es eifrig und ich wartete auf irgendeine Anweisung was zu tun sei. Die Maltherapeutin antwortete mir auf meine entsprechende Frage: ich solle ein-fach mal drauflos malen und mir nicht zu viele Gedanken machen. Am Ende der Stunde würde man das Gemalte dann besprechen.
Das war neu für mich und zaghaft freundete ich mich mit Farbe, Pinsel und Papier an.

Inzwischen habe ich während einiger Zeit das sehr zu empfehlende Angebot der Krebsliga „Farbenspur“ besucht. Habe mehr und mehr auch zu Hause gezeichnet und gehe begleitend zur Chemo, seit drei Monaten wieder in die Maltherapie.
Ich bin noch immer kein Maltalent, was mir aber nicht mehr viel ausmacht und mich vor allem nicht von Malen abhält. Das Malen bedeutet mir viel. Einerseits ist es eine wunderbare Art sich zu konzentrieren. Während dem Malen zu Hause oder in der Maltherapie ist der Geist vollständig vom Malen ausgefüllt. Mein Kopf kann sich 1,2 Stunden vollständig entspannen und das ständige Gedankengeflimmere ist ausgeschaltet. Zu Hause male ich zu diesem Zweck einfach ein schönes Bild, ein Photo, eine Blüte usw. „ab“. Das ist Erholung pur.

Anderseits bietet mir das Malen die Gelegenheit, mir die Welt/das Leben: „schön zu malen“. Es gibt Dinge die ich in meinem Leben nicht ändern kann. Zum Beispiel die Tatsache, dass ich an Krebs erkrankt bin oder, dass mir eine Brust fehlt und die zweite mir nun auch noch Abhandenkommen wird, dass ich oft nicht schlafen kann aufgrund der Antihormontherapie und vieles mehr. Auf Papier kann ich der Schlaflosen ein schönes Bett malen, der er-schöpften Brustlosen kann ich einen starken Baum in den Rücken malen der sie stützt und mit seinen Zweigen umfasst. Ich kann auch eine unversehrte Frau malen wenn mir danach ist und wenn ich einen schwarzen Tag habe, kann ich mich auf dem Papier mit allen Farben meiner Palette austoben.

Ich kann aber auch eine traurige Frau malen die weint, wenn es mir schwer fällt eine Träne zu vergiessen. Sie weint dann an meiner statt aufs Papier. Ich kann zärtlich mit dem Stift die Konturen der traurigen, geschwächten, versehrten und müden Frau nachfahren, was mir bei meinem eigenen Körper schwer fallen würde. Das tröstet. Trostbilder.
Ich kann mit Farbe und auf Papier auch die Schönheit dieser Welt festhalten. Denn Schönheit gibt es unerschöpflich neben all dem Traurigen. Durch das Malen bin ich auf ständiger Suche danach. „Es“ sucht automatisch. Anfangs wollte ich Bilder wegschmeissen die mir nicht gefielen. Doch wenn in der Maltherapie der Schützenklinik auch so vieles erlaubt war, der Mülleimer war für Bilder tabu. So habe ich gelernt, dass es in jedem Bild, auch schöne Stellen gibt. Schöne Farbübergänge usw. manchmal genügt es, das Bild auf den Kopf zu stellen und so die Perspektive zu ändern. Wenn ich ein Bild nicht gelungen finde, nehme ich die Schere, mache mich auf die Suche nach verborgener Schönheit oder sonst etwas das mich anspricht, schneide es aus und setze es in einen neuen Zusammenhang. Nichts ist so schlecht oder hässlich, dass es weggeschmissen werden müsste!

Manchmal malt „es“ auch einfach aus einer verborgenen Quelle heraus. Dann ist es, wie wenn zu viel von Etwas in einem ist und einfach aufs Papier muss. Zuviel Trauer, aber auch Freude, Schönheit, Jubel usw. Es schwappt dann in den Pinsel und auf die Leinwand und ist befreit.
Manchmal gibt es „Etwas“, dass sich nicht mit Worten ausdrücken lässt, wo-von man aber ganz deutlich ein „Bild“ hat und das kann man sich dann zeichnend machen.

Nicht zuletzt gibt mir das Malen die Möglichkeit zu kreieren, jetzt da mir jegliche Möglichkeit zur Prokreation fehlt.

Ich bin dankbar für die Begleitung durch eine kompetente Fachperson, die mich in der Maltherapie trotz Talentlosigkeit vieles lehrt. Dankbar bin ich für den Anreiz, die Auseinandersetzung, den Trost, das Ehren des Schönen/der Schöpfung und das Meditative der Maltherapie.

Die hier beschrieben Erfahrungen beziehen sich nur auf mich selber.
Ich bin keine Fachfrau und hab keine Ahnung ob eine andere Frau beim Malen, in einer Malgruppe oder in der Maltherapie das Gleiche erlebt. Aber was meint ihr….einen Versuch ist es allemal wert.
Wer weiss, vielleicht probiert es die Eine oder Andere, die auch zwei linke Hände hat, mal aus……….

Gaaaanz schöne, bunte Grüsse

Annina



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:)