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Hier berichten an Brustkrebs erkrankte Frauen von ihren Erfahrungen: leidvollen, aber auch hoffnungsvollen.
Die Erfahrungsberichte zeigen, dass wir alle unsere ureigene Art und Weise haben, mit unserer Krankheit umzugehen. Keine ist besser oder schlechter.
Wir hoffen, dass auch Ihnen die folgenden Berichte Mut machen und Sie auf Ihrem eigenen Weg bestärken.
Falls Sie einen Erfahrungsbericht beifügen möchten, schicken Sie Ihren Beitrag bitte per E-Mail an [email protected].
Die Erfahrungsberichte werden auf Wunsch auch anonym veröffentlicht.
Vielen Dank!
Ich doch nicht strizzi
Als meine Schwester vor acht Jahren an Brustkrebs erkrankte, war meine Reaktion auf diese Hiobsbotschaft: Ich bekomme keinen Brustkrebs! Ich erfand für mich tausend Gründe, warum ich nie davon betroffen sein würde. Auch das Internet gab mir Recht. Von all den aufgezählten Risikofaktoren wie Übergewicht, starker Alkoholkonsum, rauchen oder zu wenig körperliche Bewegung traf keiner auf mich zu. Ich hatte alle meine Kinder gestillt und in unserer Familie waren bis anhin auch keine Krebserkrankungen aufgetreten. Also konnte ich das Ganze für mich abhaken. Ich besuchte meine Schwester im Spital und liess mir von ihr alles erklären punkto Operation, nachfolgender Chemotherapie und Bestrahlung. Danach war für mich rein medizinisch gesehen alles klar und für den Rest machte ich alle Türen dicht. Sie erinnern sich: Ich bekomme keinen Brustkrebs!
Fünf Jahre später ertastete ich in der rechten Brust eine Verhärtung. Voller Panik meldete ich mich bei meiner Ärztin zur Kontrolle an. Sie befand den Knoten für harmlos, schickte mich aber dennoch zum Ultraschall. Fazit der Untersuchung; Entwarnung, harmlos! Uff, Glück gehabt, denn: Ich bekomme keinen…. Sie wissen schon. So lebte ich fortan mit meinem kleinen Knoten in der rechten Brust zufrieden weiter. Allerdings wuchs das verflixte Ding, das konnte ich unschwer feststellen. Eine nächste Ultraschallkontrolle plus Biopsie ergab wieder ein für mich positives Resultat: Alles harmlos, bitte keine Panik! Der Arzt, der die Biopsie durchgeführt hatte, meinte allerdings noch trocken, es sei nicht auszuschliessen, dass er daneben gestochen habe… „Lassen Sie sich operieren“, war sein Rat. Was, ich soll an meiner Brust herumschnetzeln lassen, wenn doch alles harmlos ist? Kommt überhaupt nicht in Frage. So was kann auch nur einem Mann in den Sinn kommen! Und ausserdem: Ich bekomme ja keinen…
So lebte ich mit meinem Knoten ganz gut weiter. Das Thema Brustkrebs trat immer nur bei anstehenden Kontrollen an die Oberfläche. Dazwischen deckte ich es mit Arbeit und Familie perfekt zu. Das funktionierte wunderbar bis -, ja, bis ich in meiner rechten Achselhöhle einen vergrösserten Lymphknoten er-tastete. Sofort war mir klar, jetzt lässt sich nichts mehr verdrängen, jetzt wird es ernst. Die üblichen Kontrollen folgten. Diesmal betreute mich ein jüngerer Arzt. Die Ergebnisse des Ultraschalles und der Mammografie waren wie bei der letzten Kontrolle zuvor unverändert. Da sich dieser Arzt aber offensichtlich Sorgen um mich machte, schlug er mir eine Stanzbiopsie vor. Das Ergebnis dieser Untersuchung war dann eindeutig: Ich hatte Brustkrebs!
Im Frühjahr 2009 erfüllte ich mir einen seit Jahren gehegten Wunsch: Ich besuchte zum ersten Mal die Giardina in Zürich. Ich genoss die frühlingshafte Stimmung und den wunderschönen Blumenschmuck an der Messe. Zwischendurch meldete sich immer wieder mal mein stark klopfendes Herz, denn um 14 Uhr musste ich meine Ärztin anrufen wegen den Resultaten aus der Stanzbiopsie.
Nach dem Mittag verliess ich die Messe und ging am Zürichsee spazieren. Auf einer Bank sitzend mit wunderbarem Blick über den Zürichsee erledigte ich mein Telefonat. Die Praxisassistentin teilte mir mit, dass mich meine Ärztin persönlich sehen möchte und mir für heute Abend um 17.30 Uhr noch einen Termin reserviert habe. Das sagte mir alles. Die Sonne schien noch immer gleich warm wie vorher, ich sass auf derselben Bank wie vorher, aber in meinem Kopf hämmerte es: Brustkrebs, Brustkrebs, ich habe Brustkrebs…Ich hatte das Gefühl, man müsste mir den Brustkrebs ansehen. Aber die Menschen um mich herum nahmen von mir keine Notiz. Erschlagen von der Nachricht, mit rasendem Herzklopfen und einem Minihoffnungsflämmchen (vielleicht stimmt es ja doch nicht) rief ich meinen Mann an. Praktisch veranlagt suchte er mir die nächste Zugsverbindung nach Hause heraus. Um 17.30 Uhr trafen wir uns in der Praxis zum Gespräch mit der Ärztin. Nach dem ersten Schock war ich dann plötzlich ganz ruhig und konnte relativ gut und konzentriert zuhören. Zum Glück hatte ich keine Ahnung was wirklich auf mich zukommen würde! Medizinisch war klar, dass der Knoten weg geschnitten und untersucht werden musste. Der Rest würde sich dann daraus ergeben.
Es folgten Untersuchungen und Gespräche im Spital. Ich geriet zum ersten Mal in meinem Leben in die medizinische Mühle und sie mahlte gnadenlos: Das und das muss untersucht werden, diese Abklärung ist notwendig weil,… dort müssen wir noch einen Termin vereinbaren usw. Dazwischen lag mein Hoffen und Bangen: Muss ich die Brust abnehmen oder kann brusterhaltend operiert werden? Sind meine Tumorzellen noch gut differenziert? Habe ich schon Metastasen auf der Lunge oder gar in den Knochen? Gibt es auf jeden Fall Chemotherapie und Bestrahlung? Oder vielleicht nur eines von beidem?
Bis jetzt hatte ich nur wenig Erfahrungen mit Spital und Schulmedizin gemacht, da ich bisher nie ernsthaft krank gewesen war. Hatte ich mal Halsweh oder Husten, nutzte ich Hausmittel oder schaute mich bei der Alternativmedizin um. Was würde jetzt wirklich auf mich zukommen? Irgendwann waren dann Spitaleintritt und Operationstermin klar. Rückblickend bin ich froh, dass ich das Ausmass der Veränderungen und körperlichen Beschwerden nicht abschätzen konnte. Das heisst nicht, dass ich mich nicht informierte und öfters auch den Ärzten unbequeme Fragen stellte. Es bedeutet nur, dass ich so die Therapien besser durchstehen konnte.
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