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Hier berichten an Brustkrebs erkrankte Frauen von ihren Erfahrungen: leidvollen, aber auch hoffnungsvollen. Die Erfahrungsberichte zeigen, dass wir alle unsere ureigene Art und Weise haben, mit unserer Krankheit umzugehen. Keine ist besser oder schlechter. Wir hoffen, dass auch Ihnen die folgenden Berichte Mut machen und Sie auf Ihrem eigenen Weg bestärken.

Falls Sie einen Erfahrungsbericht beifügen möchten, schicken Sie Ihren Beitrag bitte per E-Mail an [email protected].

Die Erfahrungsberichte werden auf Wunsch auch anonym veröffentlicht.

Vielen Dank!



Rückblick auf bewegte und bewegende Monate
Elisabeth


Es ist gerade ein Jahr her. Wir zogen aus der 4 1/2-Zimmer Dienstwohnung in unsere 3 1/2-Zimmer Eigentumswohnung. Äusserst arbeitsreiche Wochen lagen hinter mir: Abschlussarbeiten und Übergabe an das Nachfolgerpaar, Räumung von Estrich, Keller und Wohnung, Auswahl von einigen neuen Möbelstücken usw. usw. Nun folgten das Einrichten und Eingewöhnen. Zuerst hatte ich mit Heimweh nach dem Pflegeheim zu kämpfen, die Bewohner fehlten mir sehr, aber auch die täglichen Gespräche mit Mitarbeitern und Besuchern. Ich hatte mich mit Gefühlen des Nichtgebrauchtwerdens auseinander zu setzen. Beschäftigt war ich zwar immer. Die in den letzten zwanzig Jahren wenig gebrauchten Fähigkeiten als Köchin galt es wieder hervorzuholen, sie dem neuesten Stand der Ernährungserkenntnisse anzupassen und den lange gehegten Kinderwunsch des Klavierspielens in Angriff zu nehmen. Auch Wanderungen und Velofahrten lockten. Mit Begeisterung war ich in der Umgebung unseres Dorfes unterwegs. Es war wie eine Spurensuche, war ich doch schon hier aufgewachsen, hatte aber Veränderungen nur oberflächlich wahrgenommen.
Nun nahm ich mir auch Zeit für einen Besuch bei der Frauenärztin. Die Mammographie zeigte etwas Winziges an, Mikrokalk wahrscheinlich. Es stellte sich bei der Operation als etwas Grösseres heraus. Eine Woche später hatte ich die Gewissheit, dass es bösartig und zudem noch nicht vollständig entfernt war. Eigenartigerweise erschütterte mich die Diagnose nicht – nein, ich verspürte eine grosse Erleichterung, dass die Krankheit nicht in jungen Jahren und nicht vor der Pensionierung zum Ausbruch kam. Es erfüllte mich mit Dankbarkeit, dass ich meine geliebte Arbeit als Heimleiterin mit vollen Kräften zu ende führen durfte. Die vielen Stunden an Sterbebetten und die Gespräche mit betroffenen Angehörigen hatten (mir bis dahin nicht bewusst) offensichtlich Spuren hinterlassen: Ich musste nicht hadern und durch keine Depression gehen, verspürte nur einmal, nach einer schmerzerfüllten Nacht, eine grosse Wut auf meinen Körper, der mich so „im Stich“ liess. Dann kehrte die Vernunft zurück: Über dreissig Jahre durfte ich ohne nennenswerte gesundheitliche Störungen meine Familie und achtzehn Jahre lang Heimbewohner umsorgen. Ich konnte ja nicht damit rechnen, dass dass es stets nur die andern trifft.

Mein guter Zustand zu Beginn der Behandlungen bewahrte mich aber nicht davor, mit Problemen konfrontiert zu werden. Überrascht war ich vom Ausmass der Störungen im letzten Drittel und vor allem nach Abschluss der Bestrahlungen. Da fühlte ich mich etwas wenig vorbereitet. Diese Nebenwirkungen werden nicht wie bei Medikamenten-Beipackzetteln detailliert und fast bis ins Unermessliche deklariert (ich habe mich stundenlang im Internet zu informieren versucht), sondern sehr moderat gehalten. Deshalb hatte ich manchmal das Gefühl, ich sei zu empfindlich und könne schlecht mit Schmerzen und Übelkeit umgehen. Wenn ich mich aber überwand und die Pflegenden oder die Radiologin dahingehend ansprach, wurde ich sehr ernst genommen und man half mir mit Zuspruch, Salben und Medikamenten.

Eine grosse Hilfe waren mir mein Mann und Freundinnen. Nie musste ich einen Termin allein wahrnehmen, stets bot sich Begleitung an. Die täglichen Bahnfahrten nach Bern (November und Dezember) suchte ich bewusst als Naturschauspiele zu erleben: mal lag ein Schäumchen Schnee, dann war jedes Ästlein mit Raureif behangen, die Sonne ging auf, schien oder verabschiedete sich in leuchtenden Farben; sogar der prasselnde Regen hinterliess interessante Spuren am Fenster. Die schon lange vorher bestellten
Opern- und Konzertaufführungen besuchten wir auch während meiner schlechtesten Wochen. Dieses bewusste Wahrnehmen des Schönen tat mir unendlich gut, ich glaube, es hat mich auch davor bewahrt, nur noch meinen streikenden Körper zu sehen. Es gab mir auch die Gewissheit, dass alles gut komme. Dazu kam die „Rückkehr“ in meinen ersten Beruf. Drei befreundete Familien baten mich um Nachhilfeunterricht für ihre lernenden Jugendlichen. Wollten sie jene oder mich stützen? Tatsache ist, dass ich mich in Vorbereitungen stürzen und mich konzentrieren musste. Die Lektionen bereiteten und bereiten mir grosse Freude und schenken mir Genugtuung.

Nun spüre ich wieder Kraft in mir. Vor einigen Tagen war ich anlässlich meines 65. Geburtstages imstande, ein Familienfest mit einem einfachen Abendessen auszurichten. Ich hatte das Bedürfnis, meine wiedererwachte Lebensfreude zu feiern. Den unangenehmen Narbenschmerzen und Verhärtungen suche ich mit eincrèmen, Massieren, Dehnungsübungen und einer naturärztlichen Behandlung Herr zu werden. Ich fühle mich fast wieder wie vor einem Jahr: neugierig auf den neuen Lebensabschnitt, begierig, Neues zu sehen, zu erfahren und zu lernen.

Allen betroffenen Frauen möchte ich Mut machen: Bleiben Sie nicht im Tunnel stecken, sondern gehen Sie zielstrebig dem hellen Punkt am Ende entgegen. Haben Sie Vertrauen in sich, in Ihre Umgebung und in Ihre behandelnden Fachleute, sie alle wollen nur das Beste für Sie!



Elisabeth



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Rückblick auf bewegte und bewegende Monate
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Ein ganz normaler Sommermorgen
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Matuschka mit Gipsbüste
:)