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Hier berichten an Brustkrebs erkrankte Frauen von ihren Erfahrungen: leidvollen, aber auch hoffnungsvollen. Die Erfahrungsberichte zeigen, dass wir alle unsere ureigene Art und Weise haben, mit unserer Krankheit umzugehen. Keine ist besser oder schlechter. Wir hoffen, dass auch Ihnen die folgenden Berichte Mut machen und Sie auf Ihrem eigenen Weg bestärken.

Falls Sie einen Erfahrungsbericht beifügen möchten, schicken Sie Ihren Beitrag bitte per E-Mail an gaillard@leben-wie-zuvor.ch.

Die Erfahrungsberichte werden auf Wunsch auch anonym veröffentlicht.

Vielen Dank!



Septemberblau der Himmel
Christa Strasser


Nach einem Rezidiv werden mir 25 Bestrahlungen verordnet, fünf mal die Woche, jeden Tag 35 Kilometer hin und zurück, um zwei mal ca. 20 Sekunden bestrahlt zu werden. Ich habe keine Wahl, wenn ich ein wenig Lebenszeit gewinnen will. Und auch dieser gewiss ist unsicher, höchstens von der Statistik bestätigt.

Strahlen können Krebs erzeugen, könne sie Krebs auch heilen? Ich habe keinen Sinn, um sie wahrzunehmen. In ein paar Wochen kann ich feststellen, was sie bewirkt haben. Aber auch dazu brauche ich eine riesige Maschine, die mit neuen Strahlen in mein Inneres eindringt und die Innensicht meines Körpers belichtet. Nur die Nebenwirkungen kann ich direkt spüren. Verbrennungen, die hauchdünne Haut leidet. Von den Spätfolgen redet niemand. Ich verliere jede Kontrolle, liefere ich aus, erdulde unerwünschte Nähe von fremden Menschen, hoffe auf Heilung. Zweifle und verzweifle.

Mit keinem Sinne finde ich eine Antwort auf meine Frage. Überall wird vor der Strahlengefahr gewarnt mit Worten, Sirenen, blinkenden Rotlichtern. Verständliche Massnahmen zum Schutze des Personals. Sobald die Maschine in Gang gesetzt wird, rennen alle davon und lassen mich allein hinter hermetisch verschlossener Türe, ausgeliefert der heilenden oder tötenden Energie der Strahlen, abgeschnitten von jedem menschlichen Kontakt.

Heilen die Strahlen? Müssen sie töten, um zu heilen? Heile heile Säge… Zum Thema heilen kommen mir die Szenen in den Sinn, die ich mit meinen kleinen Grossnichten erlebe, wenn sie sich verletzt haben. Wie schnell versiegen ihr Tränen, verschwinden ihre Schmerzen, wenn ich sie in den Arm nehme, mit Worten tröste, mit einem Lied beruhige, über die Wunde streichle, blasend Besserung beschwöre. Diese Rituale haben etwas Magisches und sie wirken. Diese Energie kann nicht gemessen und berechnet werden, aber sie berührt Körper, Seele und Geist.

Die Strahlen der Maschine berühren mich auch, aber sie haben etwas Bedrohendes. Sie werden zur Waffe im Kampf gegen wuchernde Zellen. Berührung wird zur Bedrohung. Ich fühle mich sehr ungeschützt und sehne mich nach einer heilenden Begegnung, einem heilsamen Wort, einer tröstenden Musik, wärmenden Farben, menschlicher Nähe. Die Bedürfnisse scheinen sich auch im Erwachsenenalter nicht wesentlich zu verändern. Dazu kommt höchstens das Wissen über meine Ängste und damit die selbstkritische Frage: Sind die anderen tapferer, anders, leidensfähiger, stärker…..?
Einer Freundin erzähle ich von meiner Not. Wir versuchen, meine Verzweiflung und innere Aufruhr in eine Form zu bringen. Daraus entstand das folgende Gedicht.

Christa Strasser


Septemberblau der Himmel

Ich laufe durch den Gang
Türen starren mich an
Wände schreien
ich presse die Lippen zusammen
Bauch verkrampft
im Wartsaal Schatten
im Gesicht der Gezeichneten
weisse Kittel huschen vorbei
keine Züge halten hier

septemberblau der Himmel

ich ziehe mich aus
betrete de Sperrzone
in die Unterwelt
auf dem Schragen
die Arme ausgestreckt
wie am Kreuz
rote Lämpchen leuchten
Achtung Gefahr
der Strahlenarm
rückt näher und näher
ein Ungeheuer das erdrückt
mein Atem stockt
auf die Zähne beissen
es schrillt Alarm
Achtung Gefahr Hilfe
ich will gesund werden

septemberblau der Himmel

ich sehe, höre, spüre sie nicht
die Strahlen, die mich retten
Krebszellen töten sollen
töten und heilen
weisse Wände und Maschinen
Chromstahl tanzende Stäubchen
verbannt alleingelassen
bleierne Türen geschlossen
vertrauen und mich entspannen
wie - nicht bewegen
aushalten

septemberblau der Himmel

Sekunden dehnen sich zu Minuten
Stille von Geisterhand
abgestellt die Maschine
eingesaugt der Schweissgeruch
Klimaanlage ich friere
die Strahlen verbrennen
die Haut braun klagt
ich warte eine Ewigkeit
bis geöffnet wird die Tür

zum Septemberblau des Himmels

jeden Tag
bin ich hier
möchte schreien
aufmachen schnell
ich will hinaus
den Himmel sehen
davonlaufen
Kinderlachen im Ohr
die leichte Brise
mit der wärmenden Sonne
auf der Haut spüren
im September

Elisabeth Weber




Das zweite Leben
Marceline Selm


Die sanfte Massage: Lymphdrainage
Chantal Jauslin


Es liegt an uns!
Bea(trice)


LOOK GOOD - FEEL BETTER
Sabine


LOOK GOOD - FEEL BETTER
Nicole Benz


Aus Zeit
Annina


Das zweite Leben
Claudine


Happy End
Annina


Hoffen und Sehnen
Annina


Ich doch nicht
strizzi


Vor zwanzig Jahren
Marijke


„sich ein Bild machen“
Annina


Ein neues Schnittmuster
Annina D.


Leben - besser als zuvor
Manu


Happy End
Annina


Die Fremde im Spiegel oder die Frau mit der Perücke
Miriam Glass


Meine Chemotricks
Renate


ANNEHMEN KÖNNEN
Therese


Alles wird wieder gut
Annina


Das Ganze war natürlich ein grosser Schock…
Vreni H.


Der Anfang einer kleinen Geschichte
Veronika


Etwas über die Mistel
Eva E.


NARBEN – GEDANKEN
von Madeleine Käslin


Rückblick auf bewegte und bewegende Monate
Elisabeth


leben wie zuvor
Ursula Kessler


CROSSROADS
Sabine


Morgens vor dem Spiegel
EVA


Selbst ist die Frau
Sylvia Brathuhn


Workshop für Engel
Papillon


Aus der Not eine Tugend machen
Nina Lupp


Der eigene Engel
Germaine Neukom


Ein ganz normaler Sommermorgen
Sonja Dreher


Offener Brief an meine Freundin
Papillon


Ich will
Lea


Der Port-a-Cath
Eva E.


Kinder des Krebses
Sandra Wöhe


Aus meinem Tagebuch
Claudine


Zurück ins Leben
Eveline E.


Brustkrebs? – das kriegen nur die anderen!
Beatrice Kern


"Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte"
Erma Bombeck


Die Zahl 13
Lou


Eine schlimme Diagnose
La Donna sempre in giro (alias Solita)


Septemberblau der Himmel
Christa Strasser


Ein ganz normaler Sommermorgen
Sonja D.


Ferien im Champ-Nany (Bresse, Burgund, Frankreich)
Ruth, Sepp, Tobias, Flavia Kiser aus Giswil


Ein ganz normaler Montag
Papillon


Erwachen – aufwachen – wach sein...
Anna-Lena


Wir sind betroffen
Graziella


20 Jahre!!
Jsabella


Bekenntnis zur Selbstachtung
Virginia Satir, Familientherapeutin, USA


Für meine liebe Mutter
Daniela


Genug Zeit
Renate H.


RAT"SCHLÄGE"? – JA. BITTE!
Christa Cerni


Rezidiv
Beatrix


Total dankbar
Nella


Trotz allem ein wunderbares Erlebnis
Hanny G.


Tyrannei von innen
Christa


eine Brust – keine Brust ......
einen Busen – keinen Busen......
Margreth


Am Anfang steht die Entscheidung....
Anna Lena


Ein Brief an Euch alle
Anna Lena


Das weissgraue Pelzchen
Angelika


Eine Liebesgeschichte
Trudi


Föhn – Chemotherapie – Perücken
Elisabeth


Tenorsaxophon
AmaZone


Brustlos glücklich? Oder brustlos und doch glücklich?
Evelyn


Ein kleines Geheimrezept
Ruth
Evelyn Marti:
Matuschka mit Gipsbüste
:)