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Hier berichten an Brustkrebs erkrankte Frauen von ihren Erfahrungen: leidvollen, aber auch hoffnungsvollen.
Die Erfahrungsberichte zeigen, dass wir alle unsere ureigene Art und Weise haben, mit unserer Krankheit umzugehen. Keine ist besser oder schlechter.
Wir hoffen, dass auch Ihnen die folgenden Berichte Mut machen und Sie auf Ihrem eigenen Weg bestärken.
Falls Sie einen Erfahrungsbericht beifügen möchten, schicken Sie Ihren Beitrag bitte per E-Mail an gaillard@leben-wie-zuvor.ch.
Die Erfahrungsberichte werden auf Wunsch auch anonym veröffentlicht.
Vielen Dank!
Erwachen – aufwachen – wach sein... Anna-Lena
Angenehm warm und doch erfrischend ist das Meerwasser. Ich liege leicht eingebettet im feinem Sand und höre mit freudiger Erwartung das sanfte heranrollen der nächsten Welle. In freudiger Erwartung erfühle ich sie schon, aber .... aber wo bleibt sie? Wieso ist mir so heiss? Ich bewege mich. Schlagartig wird mir bewusst, dass ich in meinem Bett liege und soeben meinen schönen Traum der Realität opfere, indem ich aufwache. Nein ich wache nicht auf – ich werde aufgeweckt. Auch eine Welle die meistens ausgehend vom Kopf bis zu den Zehenspitzen sich ausbreitet – eine Welle, die von innen kommt. Nicht wie die herrliche Welle am Meer, die zuerst meine Füsse und dann soviel von meinem Körper berührt, wie ich es zulasse. Nein, sie bringt mir nicht die sanfte Wärme die zugleich so erfrischend wirkt – nein, sie bringt mir feuchte Hitze. Hallo, sage ich ganz leise zu ihr, schon so früh unterwegs? Sie ignoriert meine Frage. Wahrscheinlich weil sie so hastig und intensiv unterwegs ist. Also ignoriere ich sie auch. Ich schlage die Decke zurück, drehe mich auf die andere Seite.
Meine Augen fest geschlossen, wende ich mich den aufdringlichen Geräuschen meiner Umwelt zu. Ich höre wie mein Mann unter der Dusche steht. Das Rauschen des Wassers erinnert mich blitzartig an meinen Traum. Sofort habe ich wieder das Bild des weichen Sandstrandes vor mir und ich höre wieder das sanfte heranrollen der Wellen. Von draussen höre ich das Postauto heranfahren und halten. Ich beginne langsam zu zählen um zu erraten, wie viele Personen wohl einsteigen. Bei zwölf fährt es weiter. Zehn bis zwölf Fahrgäste, dies entspricht einem Wochentag um 07.06. Eine Amsel ist auch schon wach, unglaublich, aber wahr.
Jetzt surrt die Zahnbürste. Mein Mann ist heute wohl etwas frührer dran. Unter mir steigt meine Nachbarin aus dem Bett und läuft recht flott ins Bad. Sie hat einen festen Schritt und mit ihren guten 105 kg bleibt dies nicht ohne Wirkung auf das Umfeld.
Ob es schon hell ist? Keine Ahnung, meine Augen wollen sich noch nicht öffnen. Jetzt kurbelt meine Mann den Rolladen im Badezimmer hoch. Also wird es wohl schon hell sein. Rechts, einen Meter von meinem Bett entfernt, rollt Sacha mein Hündchen sich noch genüsslich von einer Seite auf die andere. Ich muss lächeln. Ich weiss genau was sie tun wird, wenn ich die Augen auf mache und meinen Kopf hebe. Flugs wird sie dann ebenfalls ihr Köpfchen heben und voller Erwartung auf mein Morgensignal warten: „Ja, wer ist denn da schon wach?“ Um sich dann dehnend und strecken und gähnend vor mein Bett zu begeben um die morgentlichen Streicheleinheiten abzuholen. Ja, spätestens dann bin ich auch wach.
Aber noch bin ich nicht soweit. Was ist heute für ein Tag? Oh ja, jetzt kommt schlagartig eine Flut der Erinnerungen. Heute ist wieder ein Jahrestag. Heute vor drei Jahren war mein Morgen von einem anderen Ablauf bestimmt. Der Wecker holte mich um 05.30 aus dem Tiefschlaf. Das Rauschen des Wasser unter der Dusche war so ohne Bedeutung für mich. Geräusche von Anderen nahm ich nicht war, weil ich selber so aktiv und wohl auch so laut war. Ich selber war eine der Fahrgäste im Postauto um 07.06. Um 08.00 hatte ich bereits den ersten Sitzungstermin. Und um 11.00 hatte ich noch schnell einen Termin für eine Mammographie. Um 12.00 wollte ich mich mit einer Kollegin zum Essen treffen und ab 13.00 war ich auch schon wieder besetzt bis 17.00.
Nur, um 11.30 am 06.02.01 wurde ich vom Schicksal aus dem von mir gewähltem Zeitplan geschleudert. Die Zeit danach ist so unwirklich in meiner Erinnerung und doch noch so lebhaft da. Verdächtiger Befund, ca. 2cm gross. Brustkrebs. Weiterabklären. Diagnose bestätigt. Operation. Lymphknoten sind befallen. Die Histologie differenziert immer mehr. Beschreibt den Tumor als wenig differenziert, mit Eigenschaften, die mir zu erst wenig sagen. Hormonrezeptor hoch positiv, HER2 hoch positiv. Chemotherapie. Studie wäre gut. Natürlich. Bestrahlen. Frau macht mit. Ich will ja noch leben. 52 Jahre sind zwar schon 52 Jahre, aber ich fühle mich noch jung. Angst. Wovor? Sterben? Ja. Nein. Keine Angst vor dem Tod. Angst vor dem Sterben.
Am 06.02.01 um 11.30 blieb meine Welt für eine längere Zeit stehen. Das Leben zeigte mir was es alles an Facetten der Verzweiflung und des Kummers bereit hatte und forderte mich auf, mich damit auseinander zu setzen. Ein Prozess der physischen und psychischen Berg- und Talfahrt begann. Mein Leben sah innerhalb einer Minute anders aus. Vor einer halben Stunde war ich noch voller Pläne für dies und das – um 11.30, als der Arzt den Raum betrat um mir das Ergebnis der Mammographie mitzuteilen, wurde alles was war und werden wollte, unwirklich, fern, unerreichbar. Ins Zentrum rückte der Krebs, der Brustkrebs und ich und meine Pläne verschwanden immer mehr. Ich versank in ein tiefes Loch der Verzweiflung und meine Zukunftspläne erschienen mir nur noch als ein Relikt aus einer anderen Welt.
Ja, dann kam die Zeit danach – nach der Diagnose, nach der Operation, nach der Chemotherapie, nach dem Bestrahlen. Und mir ging es nicht besser. Und allen ging ich auf den Wecker. Jetzt ist doch alles gut. Du musst positiv denken. Sterben müssen wir alle. Und mir ging es nicht besser. Trotz Gesprächstherapie, trotz Malen und trotz meinen Versuchen positiv zu denken. Trotzdem ich folgsam glaubte, es geht mir schon wieder besser. Es ging mir nicht besser.
Februar 2002, fast wieder auf den Tag genau, die zweite Diagnose. Eine neue Ärztin schaut sich meine alten und neuen Mammographiebilder an. Da ist ja noch ein invasives Carzinom auf der anderen Seite. Das ist ja 2001 schon sichtbar. Mir wurde klar, warum ich trotz guten Willen und positivem Denken nicht aus dem Loch kam.
Aber dann ging es im besten Sinne bergauf. Sobald dieses zweite Krebsgeschwür aus meinem Körper war, konnte ich getrost darauf verzichten dauernd daran zu denken, dass ich positiv denken soll. In mir wurde es wieder hell. Nicht dass ich ohne körperlichen Schmerzen war und bin. Nein. Die Chemotherapie hat ihre Spuren hinterlassen und die Therapie mit Femara lässt auch nichts an Nebenwirkungen aus, was so möglich ist. Aber in mir ist es heller geworden.
Meine Erinnerungen wandern nach Kreta. Ich erlebe mich augenblicklich beim Durchgehen der Samariaschlucht. Ich fühle das kühle Wasser des Weissensees. Ich wandere entlang des Jakobweges von St.Gallen nach Einsiedeln. Und ich gehe meine tägliche Runde mit Sacha rund ums Dorf. Da ich leicht vergesslich bin, komme ich nicht ohne Terminkalender aus. Aber ich habe keine stündlichen Termine mehr. Mein Leben ist anders geworden. Nicht besser. Nicht schlechter. Einfach anders.
Ich werde heute malen und dann will ich noch eine Geschichte schreiben für „Leben wie zuvor“. Ich mache die Augen auf drehe meinen Kopf in Richtung Sacha – na und die hat schon darauf gewartet....
Liebe Grüsse Anna-Lena, Februar 2003
Das zweite Leben Marceline Selm
Die sanfte Massage: Lymphdrainage Chantal Jauslin
Es liegt an uns! Bea(trice)
LOOK GOOD - FEEL BETTER Sabine
LOOK GOOD - FEEL BETTER Nicole Benz
Aus Zeit Annina
Das zweite Leben Claudine
Happy End Annina
Hoffen und Sehnen Annina
Ich doch nicht strizzi
Vor zwanzig Jahren Marijke
„sich ein Bild machen“ Annina
Ein neues Schnittmuster Annina D.
Leben - besser als zuvor Manu
Happy End Annina
Die Fremde im Spiegel oder die Frau mit der Perücke Miriam Glass
Meine Chemotricks Renate
ANNEHMEN KÖNNEN Therese
Alles wird wieder gut Annina
Das Ganze war natürlich ein grosser Schock… Vreni H.
Der Anfang einer kleinen Geschichte Veronika
Etwas über die Mistel Eva E.
NARBEN – GEDANKEN von Madeleine Käslin
Rückblick auf bewegte und bewegende Monate Elisabeth
leben wie zuvor Ursula Kessler
CROSSROADS Sabine
Morgens vor dem Spiegel EVA
Selbst ist die Frau Sylvia Brathuhn
Workshop für Engel Papillon
Aus der Not eine Tugend machen Nina Lupp
Der eigene Engel Germaine Neukom
Ein ganz normaler Sommermorgen Sonja Dreher
Offener Brief an meine Freundin Papillon
Ich will Lea
Der Port-a-Cath Eva E.
Kinder des Krebses Sandra Wöhe
Aus meinem Tagebuch Claudine
Zurück ins Leben Eveline E.
Brustkrebs? – das kriegen nur die anderen! Beatrice Kern
"Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte" Erma Bombeck
Die Zahl 13 Lou
Eine schlimme Diagnose La Donna sempre in giro (alias Solita)
Septemberblau der Himmel Christa Strasser
Ein ganz normaler Sommermorgen Sonja D.
Ferien im Champ-Nany (Bresse, Burgund, Frankreich) Ruth, Sepp, Tobias, Flavia Kiser aus Giswil
Ein ganz normaler Montag Papillon
Erwachen – aufwachen – wach sein... Anna-Lena
Wir sind betroffen Graziella
20 Jahre!! Jsabella
Bekenntnis zur Selbstachtung Virginia Satir, Familientherapeutin, USA
Für meine liebe Mutter Daniela
Genug Zeit Renate H.
RAT"SCHLÄGE"? – JA. BITTE! Christa Cerni
Rezidiv Beatrix
Total dankbar Nella
Trotz allem ein wunderbares Erlebnis Hanny G.
Tyrannei von innen Christa
eine Brust – keine Brust ...... einen Busen – keinen Busen...... Margreth
Am Anfang steht die Entscheidung.... Anna Lena
Ein Brief an Euch alle Anna Lena
Das weissgraue Pelzchen Angelika
Eine Liebesgeschichte Trudi
Föhn – Chemotherapie – Perücken Elisabeth
Tenorsaxophon AmaZone
Brustlos glücklich? Oder brustlos und doch glücklich? Evelyn
Ein kleines Geheimrezept Ruth
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Evelyn Marti: Matuschka mit Gipsbüste |
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