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Hier berichten an Brustkrebs erkrankte Frauen von ihren Erfahrungen: leidvollen, aber auch hoffnungsvollen. Die Erfahrungsberichte zeigen, dass wir alle unsere ureigene Art und Weise haben, mit unserer Krankheit umzugehen. Keine ist besser oder schlechter. Wir hoffen, dass auch Ihnen die folgenden Berichte Mut machen und Sie auf Ihrem eigenen Weg bestärken.

Falls Sie einen Erfahrungsbericht beifügen möchten, schicken Sie Ihren Beitrag bitte per E-Mail an gaillard@leben-wie-zuvor.ch.

Die Erfahrungsberichte werden auf Wunsch auch anonym veröffentlicht.

Vielen Dank!



Tyrannei von innen
Christa


„Der Tumor konnte nicht komplett entfernt werden. Wir müssen eine Chemotherapie anschliessen“, sagte der Onkologe. Ich hatte keine Angst oder spontane Abwehr. Eher ein gespanntes Interesse, wie ich wohl nun mit der nächsten Hürde zurecht kommen würde. Und ausserdem: welche Alternativen gab es für mich? Keine. „Bleiben mir zumindest die Haare?“, war die bange Frage. Ja, wahrscheinlich. Vorsorglich brachte mir die Krankenschwester dann die Bewilligung für eine Perücke. Für alle Fälle, meinte sie. Der Tag der ersten Chemo brach an. Der Inhalt einer ganzen Sammlung an grossen und kleinen Flaschen landete schliesslich in mir. Für eine kurze Spanne kam irgendwann ein unglaublich grausames Brechgefühl auf. Der rasch herbeigeholte Arzt konnte Abhilfe schaffen. Aha, das also ist eine Chemotherapie. Naja, bis jetzt war’s nicht so schlimm. Wenn es nicht ärger wird, wird das schon zu schaffen sein. Alle drei Wochen für zwei oder drei Tage ins Krankenhaus, das ist machbar.

Eines Tages begann alles nach Metall zu schmecken. Ich verweigerte die Nahrungsaufnahme. Wer will schon gerne Metall essen? Ich beklagte mich beim Onkologen: „Ja, das ist üblich. Gehört zur Chemo. Bei vielen Patienten schmecken alles nach Galle.“ Sollte ich mich nun darüber glücklich zeigen, dass Metall noch besser ist als Galle? Die letzten Fettreserven schmolzen dahin, Muskelgewebe auch gleich. Ich wurde noch klappriger. Jede Stufe oder gar Stiege wurde zum unüberwindbaren Hindernis. So ging das nicht weiter, der Metallgeschmack musste weg und Körpergewicht wieder her. „Rollmöpse. Kaufe Rollmöpse.“, kam eine Stimme von innen. Ich war für diesen Rat dankbar. Kein Problem. Ich lagerte im Kühlschrank Berge von Rollmöpsen und begann mich davon zu ernähren. Meine neue Erkenntnis war: Rollmöpse sind stärker als Metall. Das Gewicht stieg wieder etwas an. „Und jetzt her mit Ochsenmaulsalat. Viel Ochsenmaulsalat.“. „Nein, mein lieber Körper, zuerst essen wir die restlichen Rollmöpse auf.“. Das innere Aufheulen war unüberhörbar. Ich gab nach. Ich suchte in den diversen Supermärkten nach dem Gewünschten und tauschte die Rollmops-Vorräte gegen Ochsenmaulsalat.

Einige Zeit später war Ochsenmaulsalat „out“ und Käse „in“. Dann kam eine Tomatensaft-Phase, die zuerst von einer Eier- und dann von einer Obstphase abgelöst wurde. „Das ist alles normal. Das ist charakteristisch für die Wirkung der Chemo,“ sagte der Onkologe zufrieden. Ich schlepp(t)e – so gut ich kann – relevante Proben von allen essbaren Gütern nach Hause, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Mein Kühlschrank geht kaum zu. „Und jetzt Salat. Schöner Tomatensalat. Mit Sojasprossen.“ Kein Problem. Solche mitternächtlichen Wünsche erfülle ich im Handumdrehen. „Hast du dann noch Schokolade? Irgend ein schönes Stück Schokolade?“ Aber natürlich, mein Liebling.

Ich bin eine Duscherin. Obwohl mein Badezimmer eine Badewanne hat, wird diese seit Jahren kaum dem Zweck entsprechend benutzt. Eines Tages tönte es aber laut und deutlich aus dem Inneren: „Ich will in die Badewanne. Sofort. Mit viel Schaum und so. Und ich will lange darin liegen bleiben.“ Ich versuchte zu verhandeln: “Körper, mach‘ dich nicht lächerlich! Seit Jahren duschen wir. In 10 Minuten gibt es ein interessantes Fernsehprogramm. Das wollen wir uns ansehen.“ Es half kein Argument. „Badewanne. Bitte Badewanne,“ tönte es kläglich von innen. Wir landeten also in einem Schaumberg. Lange. Lange. Und ich fühlte, wie sich der geplagte Körper langsam entspannte. Seither baden wir also immer wieder in wohlduftendem Schaum. Egal, was sonst auf dem Programm gestanden hätte.

„Ich will Massagen. So schöne, gemütliche Streicheleinheiten, weisst du.“ Aha. Und von wo soll ich die hernehmen? „Das ist mir egal. Tu irgend etwas für mich.“ Ich hörte mich um, was es an Angeboten gibt. Sportmassagen sind das natürlich nicht. Es sollte etwas Sanfteres sein. Ich war mit meinen Erkundigungen erfolgreich. Geschickte indische Hände beruhigen nun wöchentlich meinen Körper und beseitigen die gelegentlichen Rückenschmerzen. Sie haben auch die wirklich lästigen, nächtlichen Schweissausbrüche vertrieben („Sehen Sie,“ sagte der Onkologe, “die Chemotherapie wirkt. Das ist charakteristisch.“ Fein!), die nicht nur den wichtigen Schlaf kosten, sondern auch sehr viel Energie. Und eine Physiotherapeutin bringt mit ihren sanften Händen die verknoteten Energiebahnen wieder in die richtigen Ordnung. Ich freue mich jede Woche auf diese Stunden. „Danke. Danke,“ gurrt es zufrieden aus dem Inneren. „Körperchen, ist dir klar, dass du mit deinen diversen Wünschen mein Haushaltsbudget gehörig belastest?“. „Das ist mir doch egal,“ klang es sanft zurück.

Die nächste Chemo war fällig. Ich übersiedelte wieder in die Klinik. Die Chemo ging ganz gut. Plötzlich flüsterte es aus meinem Inneren: „Kalt. Bitte, eiskalt.“. Was soll das? Ich mag weder kalte Getränke noch kalte Speisen. Selbst Speiseeis stelle ich entweder in die Sonne oder in die Mikrowelle bis eine lauwarme Creme daraus wird. Der Wunsch nach irgend etwas Eiskaltem war aber unüberhörbar. Ich resignierte. Na gut, suchen wir eben nach Eis! Die Krankenschwestern kratzten die bescheidenen Eiswürfelvorräte der Station zusammen. Der Onkologe, der mich am Gang mit meinem kostbaren Schatz davon eilen sah, nickte zufrieden: "„Ja, das sehen wir oft bei der Chemo. Alles muss eiskalt sein." Ab sofort froren die Schwestern für mich Wasser in allen (un-)möglichen medizinischen Utensilien ein für einen ausreichenden Vorrat, und zu Hause kann ich bei Bedarf dem ganzen Wohnblock mit Eiswürfeln aushelfen.

Obwohl ich im Krankenstand bin, gehe ich mehr oder weniger regelmässig ins Büro. So gut es eben geht. Oder besser gesagt, so weit mich mein Körper lässt. An manchen Tagen verweigert er einfach seine Hilfe und will liegen bleiben. Da helfen dann keine Argumente, Versprechungen oder Bitten meinerseits. „So komm doch! Ich stecke dich nachher wieder in die Badewanne, mit dem schönen Schaum. Wir machen uns einen feinen Abend mit gutem Essen.“ „Nein.“ Trotzig und müde bleibt er wie ein Stein auf dem Sofa liegen. Und ich auch. Fünf bis sechs Stunden Arbeit im Büro sind so etwa das Limit. Egal, wie spannend oder wichtig die Arbeit auch ist, flüstert es dann entschieden von innen: „Ich will jetzt nach Hause. Komm, packe zusammen. Und nimm dir ja ein Taxi, denn ich mag deine schwere Tasche nicht schleppen.“ Und wenn ich diese Stimme ignoriere und dennoch weiter arbeite, dann wehe mir! Er rächt sich umgehend mit allerlei diffusen Schmerzen und Beschwerden. „Du bist rücksichtslos und ekelhaft zu mir,“ jammert es von innen. Armer Liebling. Ich verspreche Besserung.

Mit der Anzahl der absolvierten Chemo’s wurde die innere Stimme des Körpers nun zunehmend lauter und bestimmter. „Körperchen, die Fenster sind schmutzig, und es gibt einen Berg Bügelwäsche. Wie wär’s?“ frage ich immer wieder zögern an. „Nein. Ich will weder Fenster putzen noch bügeln,“ kommt es entschieden von innen. „Ich will im Garten liegen und in die Luft schauen.“ „Willst du ein Buch lesen?“ „Nein.“ O.K. Wir übersiedeln dann zusammen in den Garten und schauen gemeinsam in die Luft.

Ich beschwerte mich bei meinem Jugendfreund, der Psychiater ist, über die Tyrannei von innen. Er war sofort auf seiten des Körpers: „Gib ihm nach! Auf jeden Fall und ohne Kompromisse. Er braucht seine ganze Kraft und vor allem Ruhe. Sei froh, dass er so eine laute, klare Stimme hat. Ich denke, du machst das schon richtig.“
Hoffentlich.
Christa



Das zweite Leben
Marceline Selm


Die sanfte Massage: Lymphdrainage
Chantal Jauslin


Es liegt an uns!
Bea(trice)


LOOK GOOD - FEEL BETTER
Sabine


LOOK GOOD - FEEL BETTER
Nicole Benz


Aus Zeit
Annina


Das zweite Leben
Claudine


Happy End
Annina


Hoffen und Sehnen
Annina


Ich doch nicht
strizzi


Vor zwanzig Jahren
Marijke


„sich ein Bild machen“
Annina


Ein neues Schnittmuster
Annina D.


Leben - besser als zuvor
Manu


Happy End
Annina


Die Fremde im Spiegel oder die Frau mit der Perücke
Miriam Glass


Meine Chemotricks
Renate


ANNEHMEN KÖNNEN
Therese


Alles wird wieder gut
Annina


Das Ganze war natürlich ein grosser Schock…
Vreni H.


Der Anfang einer kleinen Geschichte
Veronika


Etwas über die Mistel
Eva E.


NARBEN – GEDANKEN
von Madeleine Käslin


Rückblick auf bewegte und bewegende Monate
Elisabeth


leben wie zuvor
Ursula Kessler


CROSSROADS
Sabine


Morgens vor dem Spiegel
EVA


Selbst ist die Frau
Sylvia Brathuhn


Workshop für Engel
Papillon


Aus der Not eine Tugend machen
Nina Lupp


Der eigene Engel
Germaine Neukom


Ein ganz normaler Sommermorgen
Sonja Dreher


Offener Brief an meine Freundin
Papillon


Ich will
Lea


Der Port-a-Cath
Eva E.


Kinder des Krebses
Sandra Wöhe


Aus meinem Tagebuch
Claudine


Zurück ins Leben
Eveline E.


Brustkrebs? – das kriegen nur die anderen!
Beatrice Kern


"Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte"
Erma Bombeck


Die Zahl 13
Lou


Eine schlimme Diagnose
La Donna sempre in giro (alias Solita)


Septemberblau der Himmel
Christa Strasser


Ein ganz normaler Sommermorgen
Sonja D.


Ferien im Champ-Nany (Bresse, Burgund, Frankreich)
Ruth, Sepp, Tobias, Flavia Kiser aus Giswil


Ein ganz normaler Montag
Papillon


Erwachen – aufwachen – wach sein...
Anna-Lena


Wir sind betroffen
Graziella


20 Jahre!!
Jsabella


Bekenntnis zur Selbstachtung
Virginia Satir, Familientherapeutin, USA


Für meine liebe Mutter
Daniela


Genug Zeit
Renate H.


RAT"SCHLÄGE"? – JA. BITTE!
Christa Cerni


Rezidiv
Beatrix


Total dankbar
Nella


Trotz allem ein wunderbares Erlebnis
Hanny G.


Tyrannei von innen
Christa


eine Brust – keine Brust ......
einen Busen – keinen Busen......
Margreth


Am Anfang steht die Entscheidung....
Anna Lena


Ein Brief an Euch alle
Anna Lena


Das weissgraue Pelzchen
Angelika


Eine Liebesgeschichte
Trudi


Föhn – Chemotherapie – Perücken
Elisabeth


Tenorsaxophon
AmaZone


Brustlos glücklich? Oder brustlos und doch glücklich?
Evelyn


Ein kleines Geheimrezept
Ruth
Evelyn Marti:
Matuschka mit Gipsbüste
:)